Hier findest du interessante Informationen über Georgien, geschrieben von ehemaligen Freiwilligen.

Steckbrief

Hauptstadt: Tbilisi (Tiflis)
Landessprache: Georgisch, georgisches Alphabet: ქართული
Währung: Lari / Tetri, 1 Euro entspricht etwa 3 Lari
Fläche: 70.000 km² bzw. 57.000 km², je nachdem ob die unabhängigen/besetzten Gebiete Abchasien und Südossetien dazu gezählt werden.
Einwohner*innenzahl: zwischen 4 und 5 Millionen


Lage

Georgien ist eines der drei Länder im Kaukasus und grenzt im Norden an Russland, östlich an Azerbaijan, südlich an Armenien und die Türkei und im Westen liegt das Schwarze Meer.

Das Klima ist ähnlich wie in Deutschland, es kann im Sommer jedoch etwas heißer und im Winter etwas kälter werden. Es hängt natürlich auch davon ab, ob du gerade in den bis zu 5200m hohen Bergen in Svanetien wanderst, durch die Steppe bei Rustavi reist oder dich am Meer in Adjara sonnst.

Kultur und Mentalität

Georgier*innen sind überwältigend gastfreundlich. Sie laden fremde Menschen zum Essen und Trinken ein, helfen mit allen Mitteln die sie haben und wollen nur das Beste ihres Landes zeigen. Ein Grund dafür ist, dass ihrem Glauben nach Gäste ein Geschenk Gottes sind und verhalten sich  dementsprechend.

Insgesamt spielt Religion in Georgien eine wichtige Rolle, die Mehrheit der Menschen ist georgisch-orthodox. Viele Menschen sind streng gläubig und tendenziell konservativ, daher kommen Sexismus und Homophobie oft zum Vorschein. Laut ihres Glaubens wurde ihnen ihr Land, anders als anderen Völkern nicht zugewiesen, sondern von Gott persönlich geschenkt. Daher ist der Geist der Bevölkerung häufig nationalistisch geprägt.

Einen großen Teil ihrer Kultur machen traditionelle Musik und Tänze aus. Mit Trommeln und verschiedenen traditionellen Saiteninstrumenten begleiten sie die sehr eleganten und kraftvollen Tänze, von denen es auch von Region zu Region Unterschiedliche gibt. Auch Gesang, oftmals polyphonisch, darf nicht fehlen.

Ein anderes Thema ist das sogenannte „Georgian Maybe Time“-Principle. Zeit spielt dort eine untergeordnete Rolle. Vielleicht passiert eine Sache in 10 Minuten oder eben in 2 Stunden. Dazu kommt eine sehr unorganisierte und chaotische Lebensweise, die es  schwer  bis unmöglich macht, zu planen. Dadurch verbessern sich jedoch definitiv Qualitäten wie Spontanität, Improvisationstalent und der Glaube, dass am Ende doch alles irgendwie funktioniert.

Essen und Trinken

Ein ebenfalls sehr wichtiger Teil der Kultur ist die Supra-Tradition. Eine gesellige und ausgelassene Abendtafel mit Familie und Freunden und einem voll mit traditionellen Essen und Wein gedeckten Tisch, dazu ein sogenannter „Tamada“ der mit Trinksprüchen und Themen wie Familie, Liebe, Religion, Frieden, etc. gedenkt, wertschätzt und feiert.

Damit einhergehend muss auch die Weintradition genannt werden, die hier in Georgien fast essenziell wichtig ist. 8000 Jahre reicht diese Tradition zurück und ist immer noch ein großer Bestandteil des Lebens vieler Familien, da sehr viele Menschen ihren Wein selbst herstellen. Außerdem auch Chacha, ein 40-80%iges alkoholisches Getränk, das als Nebenprodukt aus dem Trester der Trauben hergestellt wird.

Es gibt zahlreiche typische Speisen, darunter Khachapuri, Khinkali, Lobiani, Badrijani, Tkemali, Lobio, Churchkhela, etc. Natürlich gibt es auch sehr viel Fleisch, jedoch können sich auch Vegetarier*innen problemlos ernähren. Vegane Ernährung ist meistens auch möglich, diese stößt jedoch häufig auf Unverständnis.

Wasser aus der Leitung ist in der Regel problemlos zu trinken.

Reisen

Eine der liebsten Beschäftigungen von Freiwilligen ist Reisen. Dafür ist Georgien das perfekte Land. Es ist nicht besonders groß, dafür ist die Dichte an schönen Orten die es zu sehen gibt sehr hoch. Es gibt recht gute Busverbindungen, bzw. sogenannte Mashrutkas, zu den meisten Orten. Auch Taxis sind geteilt nicht zu teuer, jedoch lohnt sich trampen noch viel mehr. Es ist einfach und geht meistens schneller, man lernt eher ungewöhnliche, aber sogleich schöne Orte kennen, erfährt die Gastfreundschaft der Menschen und lernt noch viel mehr über die Kultur. Auch zu zelten ist fast nirgendwo ein Problem. So ist es möglich sehr günstig zu reisen. Es gibt jedoch auch viele Hostels und Gasthäuser.

Die typischen touristischen Reiseziele sind unter anderem Kazbegi, Mestia, Mtskheta, Vardzia, Batumi, Borjomi und Bakuriani (sehr gut zum Skifahren), Sighnagi und Gori. Daneben gibt es jedoch eine fast unendliche Vielzahl von anderen Orten die es auch wert sind besucht zu werden. Es lohnt sich sogar schon einfach so durch die Gegend zu fahren und die wunderschöne Natur zu genießen.

In größeren Städten gibt es viele, zugegebenermaßen sehr unübersichtliche, Busverbindungen. Mit viel Fragen kommt man jedoch gut an. In Tbilisi gibt es auch zwei Metro Linien. Und auch Taxis sind nicht zu teuer, sofern vorher der Preis vereinbart wurde. Achtung vor Taxifahrer*innen, die machmal einen viel zu hohen Preis verlangen.

Auch ist es wert und sehr einfach möglich die Nachbarländer zu besuchen. Denn wann würdest du das nächste Mal Armenien oder Azerbaijan besuchen?

 

 

 

 

 

 

Sonstiges

Um sich besser verständigen zu können ist es immer schön einige Worte in der Landessprache zu lernen. Da Georgisch jedoch nicht super leicht zu lernen ist, (anderes Alphabet, komplett verschiedene Grammatik, ungewohnte Klänge und Satzmelodie, etc.) ist es meistens auch möglich sich in anderen Sprachen zu verständigen. Gerade in größeren Städten können viele, vor allem junge Menschen, Englisch sprechen. Auch Russisch wird von fast allen verstanden, gerade von älteren Menschen und in ländlicheren Regionen. Alle freuen sich jedoch riesig wenn du auch etwas auf Georgisch sagen kannst. Auch ist es praktisch die Buchstaben lesen zu können um beispielsweise Bus Pläne besser lesen zu können oder wo die Toilette ist.

Es ist auch sinnvoll bevor die Reise losgeht sich über den Konflikt zwischen Russland und Georgien zu informieren, da er ein sehr aktuelles und sensibles Thema ist. Laut Georgier*innen hat Russland die Gebiete Abchasien und Südossetien unrechtmäßig besetzt, weswegen die Länder nicht die beste Beziehung zueinander haben.

Georgien ist ein Land mit viel Armut, trotzdem ist es sehr sicher.

Ansonsten rate ich dir offene Augen und Ohren zu haben um viel zu lernen, unvoreingenommen zu sein, dich auf Dinge einzulassen und vor allem die Zeit zu genießen!