Σιγα Σιγα!

Kalimera! Schon seit ca. einem Monat bin ich in Xylokastro, eine kleine Küstenstadt auf der wunderschönen Halbinsel Peloponnes. Hier herrscht strahlendes Wetter, die Bewohner sind sehr warmherzig und die Arbeit mit Kindern macht unglaublich viel Spaß. Da alles besser läuft, als ich es mir jemals erhofft hätte, verging die Zeit in Griechenland wie im Flug. Andrerseits fühlt es sich so an, als wär ich mein halbes Leben schon hier, da sich so gut wie alles komischerweise heimisch anfühlt.

In den ersten paar Tagen konnte ich kaum realisieren, dass ich tatsächlich für ein halbes Jahr 2.712 km entfernt von meinem Zuhause & meiner Familie leben werde – und das ganz alleine! Jedoch hat es nicht lange gedauert, bis ich das Gefühl von Zuhause & Familie, in Griechenland, in einem fremden Menschen finden konnte.

Vor der Abreise hatte ich viele Bedenken. Ich wusste, dass ich mit größter Wahrscheinlichkeit die Jüngste im EVS-Home sein würde. So dachte ich, dass sie mich nicht immer ernst nehmen würden und es mir schwer fallen würde, mich zu integrieren. Dazu kommt, dass ich relativ schüchtern bin, was die Sache natürlich erschwert. Zu meiner Überraschung war genau das Gegenteil der Fall.

Obwohl die Mitfreiwilligen tatsächlich wie gedacht älter als ich sind, wurde mein Alter überhaupt nicht zum Problem. Sie helfen mir bei allem, wobei ich Schwierigkeiten habe und unterstützen mich dabei auf eigenen Beinen zu stehen. Sei es Kochen, Geldmanagement oder Heimweh; ich weiß, dass sie mir immer beiseitestehen. Dadurch habe ich in den ersten vier Wochen bereits sehr viel gelernt.

Ich habe auch sehr viel gesehen. Auch wenn wir alle komplett verschieden sind, haben wir zwei Sachen, die uns verbinden; Humor und Wanderlust. So können wir in jeder Situation lachen und jedes Wochenende neue Orte entdecken. Fast unser gesamtes Taschengeld sparen wir uns für Reisekosten und Unterkunft auf. Wir waren bereits auf Lefkada, in Kalamata und Messenia und wir haben noch jede Menge Orte, die wir noch von unserer Liste abhacken möchten.

Dieses Wochenende geht es wahrscheinlich nach Athen, zunächst in einen Escape Room, dann auf ein Sworr-Konzert. Jedoch steht es noch nicht sicher fest, so wie es in Griechenland üblich ist.

Auch wenn wir Mal nicht reisen ist dennoch jeden Tag eine „Party“, wenn man mit sechs weiteren Freiwilligen aus ganz Europa in Griechenland in einem Haus lebt. Selbst abends gemeinsam zu essen und trinken, spielen oder einen Film zu schauen macht unfassbar viel Spaß, ganz einfach weil wir immer etwas zu reden haben. Wir können aber auch über tiefgründige und ernste Themen diskutieren, was ich sehr wichtig finde, da wir uns dadurch besser kennen lernen, unsere Beziehung stärken und den EVS-Geist in vollen Zügen auskosten.

Dafür bin ich sehr sehr dankbar.

„Siga, siga“ ist unser Motto hier. „Langsam, langsam“ heißt es übersetzt. Alles läuft locker und gemütlich. Das kann das Leben sowohl einfacher als auch schwerer machen. Zum einen sind die Arbeitszeiten flexibel, da du Mal ohne Probleme eine halbe Stunde zu spät kommen kannst, weil du noch eben etwas mit deinen Freunden essen wolltest. Zum Anderen ist es nicht mehr so toll, wenn der Klempner auch nicht zum 3. Termin erscheint.

Doch wenn man die positive griechische Mentalität übernimmt, ist alles halb so schlimm.

Ich denke, dass einer der Gründe, wieso ich mich hier so heimisch fühle – obwohl Griechenland mehr oder weniger das Gegenteil von Deutschland ist – ist, dass es viele Parallelen zu der türkischen Kultur gibt. Sei es das Essen, die Musik, die Gastfreundlichkeit, das Temperament, die Großzügigkeit, die Unpünktlichkeit UND, UND, UND! Das erleichtert mir definitiv so einiges und schwächt den Kulturschock ab.

Was die Arbeit mit Kindern angeht läuft auch alles hervorragend. Ich arbeite im Jugendzentrum „K.Δ.Α.Π., zusammen mit einer weiteren Freiwilligen von 15:30 bis 20:00 Uhr. Wir betreuen Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, aus sozioökonomisch benachteiligen Familien. Da die meisten auf der jüngeren Seite des Altersspektrums sind, ist die Kommunikation auf Englisch nahezu unmöglich. Jedoch ist es eher ein Vorteil als ein Nachteil, da es mir dadurch leichter fällt Griechisch zu lernen. Schon in der ersten Woche konnte ich die Farben und Zahlen (ist auch nicht all zu schwer, wenn man 10 Runden UNO am Tag spielt).

Bis jetzt läuft für mich alles besser als gedacht. Ich hoffe, dass die kommende Zeit genau so gut wird!

Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Φιλάκια.

 


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