Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben…
Noch nie hat dieses Sprichwort so gut gepasst! Ich bin erst seit sechs Tagen unterwegs doch es fühlt sich an, als wären es sechs Wochen.
Allein die Anreise war schon aufregend genug. Der Plan war in wenigen Stunden mit dem Zug von Köln nach St Brieuc zu fahren. Doch bereits in Aachen lief alles schief, da die Strecke bis nach Liège aufgrund fehlender Kabel gesperrt war. Darum hieß es aussteigen und auf Schienenersatzverkehrsbusse warten. Leider wusste niemand wann und wo diese kommen würden und so stand eine frierende Gruppe vor dem Aachener Bahnhof und wartete mindestens vier Stunden auf den ersten Bus. Die bereits enorme Verspätung erhöhte sich natürlich noch, da der Thalys in Liège auf alle Busse warten musste. Mit sechs Stunden Verspätung rollten wir endlich in Richtung Paris. Glücklicherweise bot es sich an in dieser Leidensgemeinschaft neue Kontakte zu knüpfen und so diskutierte ich stundenlang mit Paul, einem amerikanischen Touristen über Gott und die Welt. Logischerweise hatte ich meinen Anschlusszug verpasst und musste mich beeilen zum richtigen Bahnhof in Paris zu kommen, um den letzten Zug nach St Brieuc zu erwischen. Die Metro unterstützte mein Vorhaben nur sehr bedingt und brauchte doppelt so lange wie geplant, weshalb ich im vollgestopften Abteil leichte Beklemmungen bekam. Ein freundlicher Franzose bemerkte mein Unwohlsein, fragte mich, ob er helfen könne und kurz darauf diskutierten alle Umstehenden, ob das Erreichen meines Zuges noch möglich sei oder nicht. Alle waren sehr hilfsbereit und so rannte ich kurz darauf hinter Nabil, einem jungen Franzosen her, der meinen Koffer quer durch den Bahnhof schleppte. In letzter Sekunde erreichte ich mein Gleis und konnte endlich durchatmen.
Dass es in St Brieuc Schwierigkeiten mit dem Abholen gab, war nach all der Aufregung vergleichsweise harmlos, zumal mich meine Mitbewohnerinnen unglaublich herzlich empfingen.

Der Sonntag raste nur so vorbei, ich fing an mich einzurichten und meine Mitbewohner besser kennenzulernen.
Und schließlich konnte ich das erste Mal das lycée, in dem ich arbeiten sollte, kennenlernen. Obwohl die Fülle an neuen Gesichtern und Namen mich zu überwältigen drohte, war es toll das Gebäude zu besichtigen und vor allem die Lehrpersonen des lycées waren sehr freundlich und interessiert. Eine Lehrerin, die ebenfalls meine Tutorin ist, nahm mich Nachmittags sogar mit zu einer Art Markt, wo nicht nur typisch bretonische Pferde, Honig und Kleidung verkauft wurden, sondern auch die bretonische Kultur voll ausgelebt wurde. So fand ich mich auf einmal zwischen einer Reihe von Tänzern wieder und versuchte die Schritte der traditionellen Tänze zu imitieren.
Am nächsten Tag begann bereits eine Art Vorbereitungsseminar, bei dem wir Unterrichtsmethoden lernen sollten. Während dieser drei Tagen in einem Wirbel aus fremden und bekannten Sprachen, Kulturen und Personen konnten wir außerdem das Meer genießen, da wir fünf Minuten vom Strand untergebracht waren. Die Tage waren unglaublich intensiv, bereichernd und anstrengend zugleich. Es war toll, sich mit so vielen Personen auszutauschen, doch gerade hier waren die unterschiedlichen Mentalitäten spürbar.
Nach all diesen Erlebnissen, bin ich erleichtert einen Moment durchatmen zu können und ich freue mich darauf einen Alltag zu haben. Doch gleichzeitig habe ich einen tollen Vorgeschmack auf die Vielfalt, die ein Freiwilligendienst bieten kann, bekommen. Insgesamt war es ein turbulenter, aber trotzdem gelungener Start!


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