Hallo ihr Lieben,

nun ist schon mehr als ein Monat vergangen seitdem ich mich aufgemacht habe, um mich einem Jahr voller neuer Erfahrungen, Menschen und Herausforderungen zu stellen. Wie wahrscheinlich viele von euch wissen hat es mich nach Kapstadt, der „Mother City von Südafrika“, verschlagen, um für 10 Monate ein Teil der südafrikanischen NGO (non-governmental organisation) AIDC (Alternative Information & Development Centre) zu sein.

Grob umrissen setzt sich AIDC dafür ein Aufmerksamkeit auf die soziale, wirtschaftliche und ökologische Ungerechtigkeit in Südafrika zu lenken. Menschen, die bisher keinen Zugang zu relevanten Informationen über oft unter der Hand ablaufende gesellschaftliche und politische Prozesse haben, werden mobilisiert, damit sie für ihre eigenen Rechte einstehen können. Ein Beispiel um die fortlaufende Ungerechtigkeit zu veranschaulichen, ist die Tatsache, dass Südafrika konstant auf den obersten Rangplätzen nach dem Gini-Index zu finden ist (0.660 to 0.696). Der Gini-Index ist ein Maß, dass sich auf die Einkommensungleichheit in einem Land bezieht und kann eine Zahl zwischen 0 und 1 annehmen mit 1 = maximal ungleich. Da diese Messung ausschließlich einkommensbezogen ist, werden andere Faktoren wie der Zugang zu öffentlichen Leistungen wie Wasser und Energie zwar nicht berücksichtigt, allerdings hat das Einkommen einen sehr hohen Einfluss auf die Teilhabe an der Gesellschaft und kann insofern als aussagekräftiger Indikator genutzt werden.

Jetzt schweife ich aber ein bisschen ab und komme wieder zum eigentlichen Thema dieses Blog-Eintrags zurück.

Die ersten Tage in Kapstadt

Von meiner Ankunft am Flughafen von Kapstadt bis zum Wochenende war es nur ein Katzensprung. Für das Wochenende waren einige Aktivitäten geplant, um Kapstadt kennenzulernen und sich besser in der sich auf 400 km² erstreckenden Metropole orientieren zu können. Bei dem Ausflug zum Muizenberg Beach, der berühmte Surferstrand Kapstadts, war eine mehr oder weniger spontane Comedy-Einlage von zwei jungen Männern im Zug  und später ein erfrischender Sprung in den indischen Ozean inklusive. Man sollte jedoch nicht vergessen zu erwähnen, dass trotz des unterhaltenden Programms, diese zwei Jugendlichen im Zug nicht wie wir das Ziel hatten nach Muizenberg zu fahren, um sich an diesem heißen Tag im Wasser zu erfrischen und am Strand zu relaxen. Sie waren dort, um etwas Geld zu verdienen.

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Am Sonntag hieß es dann hop-on-hop-off and enjoy the ride! An diesem Tag sind wir mit einem klassischen roten Touri-Bus mit offenem Dach durch ganz Kapstadt gefahren. Auf der Route lagen wunderschöne Orte und atemberaubende Aussichten. Um nur einige Stationen zu nennen: Kirstenbosch botanical garden, Constantia (wine area), Hout Bay, am Tafelberg vorbei entlang der Victoria Road bis hin zu Camps Bay. Camps Bay war dann später auch der Ort der Wahl, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Dort ist auch das Foto von den anderen Freiwilligen (von SAGE Net) und mir entstanden.

Dieser Tag hat mir eine der vielen Facetten von Kapstadt gezeigt: wunderschöne Strände, Promenaden, Küsten und Gebäude. Dies ist allerdings das Gewand, in dem Kapstadt gerne den Touristen präsentiert wird, sodass sie ein Bild der heilen Welt vermittelt bekommen. Viele fühlen sich genau an diesen Orten ziemlich wohl, weil sie sehr den Orten in westlichen Ländern ähneln (kleiner Hint zu der kolonialen Geschichte Südafrikas, die heute immer noch ein präsentes Thema ist. Es ist auf jeden Fall wert sich damit tiefer auseinander zu setzen).

Der Aufprall

Diese Orte sind jedoch auch ein Teil einer Blase, in der man sich für einen langen Zeitraum aufhalten kann ohne mit Ungerechtigkeit und Armut konfrontiert zu werden. Mich holte die Realität nur zwei Tage später wieder ein, als ich mit anderen Frauen, die bei AIDC arbeiten, die Gedenkstätte für eine junge Frau besuchte, die in einer Poststelle außerhalb der Geschäftszeiten vergewaltigt und ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, weltwärts, Südafrika, Janina, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit; entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, Kapstadt, Gedeckstätte, Gender-based violenceumgebracht wurde. Sie ist eine von sehr vielen weiblichen Opfern, die in letzter Zeit nur aufgrund dessen, dass sie Frauen sind, auf brutale Weise getötet wurden. Gender-based violence ist ein großes und aktuelles Problem, nicht nur in Südafrika. Aufgrund der Tatsache, dass sich diese Morde zunehmend häufen, geht ein Aufschrei durch das Land, dass Frauen und Kinder mehr geschützt werden sollen. Dafür gehen hunderte Menschen auf die Straße und protestieren, zum Teil mit gewalttätigen Ausschreitung (falls ihr euch mehr dafür interessiert, müsst ihr einfach gender-based violence in South africa googeln und findet sofort diverse Artikel zu dem Thema).

Mich hat der Besuch der Gedenkstätte hart getroffen. Zum einen war der Ausdruck von Trauer und Wut der Demonstranten durch Blumen und Plakate, die in Massen vor der Poststelle lagen, sehr emotional. Zum anderen blieb es nicht eine Gedenkstätte für eine Person. Diese Poststelle wurde quasi zum Symbol der Grausamkeit gegenüber Frauen. Viele andere Fotos wurden dort aufgehangen und viele weitere Schicksale geteilt. Die Masse an Beiträgen war überwältigend und hinterließ ein Enge-Gefühl in meiner Brust.

Was ich aus meinem Erlebnis zusätzlich mitnehme

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Die Poststelle ist nur eines vieler Beispiele, welches die Bereitschaft der Südafrikaner zeigt politisch aktiv zu werden und die Regierung aufzufordern Maßnahmen zu ergreifen, die die Lebenssituation für alle Südafrikaner/ Kapstädter verbessert und das unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter oder Religion.

Zu der Demonstrationskultur in Südafrika, spezifischer in Kapstadt, werde ich aber demnächst noch einen separaten Blog-Eintrag verfassen. Freut euch drauf und bis dann!

Eure Janina


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