Die letzten Wochen Zuhause

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich von Anfang an natürlich ziemlich auf das Abenteuer Finnland gefreut habe, allerdings zwischendurch auch Zweifel aufkamen, ob das wirklich das Richtige für mich ist. Auch ein wenig Wehmut schlich sich zwischenzeitlich ein. Möchte ich wirklich mein gewohntes Umfeld für so lange Zeit verlassen und dann direkt über 2000km weit weg von Zuhause sein? Das Ende der Schulzeit war gekommen und ich hätte die Chance dazu. Also ab ins Ausland und ganz viele neue Erfahrungen sammeln. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die letzten Tage vor dem Abflug waren dann wieder voller Vorfreude, auch wenn ich den baldigen Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt immer noch nicht ganz realisieren konnte. Selbst nicht, als gut eine Woche vor Abflug plötzlich meine Freunde Zuhause im Garten für eine Überraschungsabschiedsfeier standen… und nein, ich habe von den Planungen wirklich nichts mitbekommen. Alle Beteiligten haben dicht gehalten, weswegen ich auch ziemlich sprachlos war, als ich realisiert habe, was hier gerade abgeht. 😀

Maren, Finnland, ESK, Freiwilligenblog, Abschied

Abschied nehmen in Deutschland

Bevor es dann endlich losgehen konnte, war ich allerdings nochmal ordentlich im Koffer-Pack-Stress. In Deutschland herrschten Temperaturen um die 30°C. Schwer vorstellbar also, dass ich ab nächster Woche eher lange Hosen und dicke Pullover tragen würde…

14. August 2020 

Der Tag der Abreise! Ahh, es geht nach Finnland. Auf dem Weg zum Flughafen nach Frankfurt bin ich noch müde und habe eher das Gefühl, dass ich gerade auf dem Weg in den Urlaub bin… Am Terminal in Frankfurt treffe ich Lea, die andere ESK-Freiwillige in meinem Dorf, mit der ich gemeinsam auf dem Gelände des Colleges wohnen werde. Als wir uns von unseren Eltern verabschieden, fließen dann doch ein paar Tränchen und für einen kurzen Moment wird mir bewusst, dass dieser Abschied für länger als nur ein paar Wochen ist.

Als wir uns schließlich zur Sicherheitskontrolle anstellen, ist die Traurigkeit verflogen und wird von extremer Vorfreude auf dieses Abenteuer überschattet. Zunächst fliegen wir nach Helsinki, dann geht es mit dem Zug weiter nach Ylivieska. Dort werden wir am Bahnhof von Adrian, dem Freiwilligen aus dem letzten Jahr abgeholt. Auf der 40-minütigen Fahrt nach Kalajoki berichtet Adrian uns, dass wir uns nun erst mal in eine freiwillige Quarantäne begeben sollen (auf Wunsch der Aufnahmeorganisation). Das drückt unsere Vorfreude zunächst ein wenig. Aber Hauptsache ist ja, dass wir überhaupt nach Finnland einreisen konnten!

Endlich am Kalajoen Kristillinen Opisto angekommen, wo ich wohnen und arbeiten werde, treffen wir auf Sami, der für meine Arbeit zuständig sein wird. Von ihm und Adrian bekommen wir erst mal einen kleinen Rundgang über das Gelände. Danach beziehe ich mein Zimmer, telefoniere mit meinen Eltern und falle irgendwie aufgedreht aber auch todmüde nach diesem langen Tag in mein Bett. Mal sehen, was die nächsten 14 Tage so bringen…

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Finnisches Willkommensgeschenk

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Lea und ich bei der Ankunft in Kalajoki

 

14 days of Quarantäne

Vorweg; es war gar nicht soo schlimm, wie zunächst befürchtet. Unsere Auflagen ließen uns glücklicherweise viele Freiheiten. Andere Menschen meiden und nicht in öffentliche geschlossene Gebäude zu gehen, war ziemlich gut umzusetzen (Viele Einwohner hat das Dorf sowieso nicht). Einkäufe für einen kleinen eigenen Vorrat übernahmen Sami oder Adrian. Und das Tragen der Maske waren wir aus der Heimat ja eh gewohnt.

Als wir dann nach ein paar Tagen Fahrräder bekamen, fühlten wir uns wie im Himmel. Wir erkundeten die Gegend und fanden Gefallen an der Natur hier. In wenigen Minuten ist man im Wald, zum Meer sind es mit dem Rad ca. 25min und das Opisto (so heißt die finnische Schulart) liegt direkt am Fluss Kalajoki. In der ersten Woche genossen wir noch ein wenig den finnischen Sommer mit Temperaturen um die 23°C. In der zweiten Woche jedoch machten wir erste Erfahrungen mit nordischem Herbstwetter und Wind (viel Wind). Outdooraktivitäten waren nicht mehr unsere erste Wahl. Somit hatten wir aber Zeit unseren mitgebrachten Büchervorrat zu lesen und hin und wieder mal eine sonnige Stunde draußen zu verbringen (Trotzdem waren die Mahlzeiten in der Mensa unser Tages Highlight).

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Endlich haben wir Fahrräder 🙂

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Steinmännchen am Strand

2 Strandtage (inklusive Schwimmen im Meer und Steinmännchen bauen), 3 Ausflüge zum Blaubeeren pflücken, eine Sunset-Hunting-Session am Fluss und einige faule Tage später war es endlich soweit. 14 Tage Quarantäne waren vorbei und wir durften die Masken absetzen und selber in Supermärkte zum Einkaufen gehen. Unfassbar, wie wir uns gefreut haben! Dabei war der erste Gang in den nächstgelegenen Supermarkt eine komplette Reizüberflutung.

Gleichzeitig war es aber auch ziemlich ungewohnt ohne Maske im Supermarkt zu sein (in Finnland gab es zu dem Zeitpunkt keine Maskenpflicht im Supermarkt). Na ja, trotzdem schön mal selber zu sehen, was es so an finnischen Lebensmitteln gibt. Ach ja, und den SecondHand-Shop haben wir auch direkt erkundet. 🙂

Einerseits fühlt es sich an, als ob die vergangenen zwei Wochen wie im Nu vorbei waren. Andererseits haben wir schon ziemlich viel erlebt und konnten einen kleinen Einblick in die finnische Lebensweise bekommen. Die wichtigste Erkenntnis der letzten Tage ist, glaube ich, dass die Finnen Kaffee wirklich lieben. 😀 Und alle Menschen, die wir bisher kennenlernen durften sind total lieb und hilfsbereit.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen auf mich zukommt und freue mich endlich mit der Arbeit starten zu können.

 

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Perfekter Ort zum Beeren pflücken

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Sonnenuntergang am Strand (Hiekkasärkät)


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