Willkommen zu meinem ersten Artikel! Nach einer etwas anstrengenden ersten Zeit mit viel Chaos, kann ich inzwischen relativ sicher über meine Arbeit im Projekt sprechen.

Inken, Esperanza, Dominikanische Republik, 2017, Schule

Inken, Esperanza, Dominikanische Republik, 2017, Schule

Ein paar der älteren Schüler mit mir

Inken, Esperanza, Dominikanische Republik, 2017, Schule

Eine der kleinsten Klassen

Das Projekt, in dem ich tätig bin, befindet sich in der kleinen Stadt Esperanza, im Norden der Dominikanischen Republik. Hier lebe ich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Catharina, der Projektgründerin und der Leiterin der Schule. Damit sind wir auch direkt beim Thema – das Colegio Color de Vida wurde 2006 gegründet und unterrichtet seitdem in einem Schulgebäude mit kleinem, anliegenden Schulhof die 1.-6. Klasse inklusive dreier Vorschulklassen im Alter von 3-5 Jahren. Die ersten Wochen in der Schule war unser Aufgabengebiet vor allem das Kennenlernen des Dominikanischen Schullebens und der Kinder. Aufgrund des konzipierten Gebäudes, welches etwa für 60 statt für die 100 Schüler ausgelegt ist, sind die Möglichkeiten der individuellen Betreuung stark eingeschränkt. Große Hilfe wurde anfangs benötigt bei den ganz Kleinen. In einem engen Klassenzimmer mit 2 Ventilatoren und kleinen Fenstern, sowie 4 Bankreihen, eine davon ohne Tisch, sitzen 37 Kinder, die sich in 3 Altersgruppen unterteilen – Pre-Kinder, Kinder und Pre-Primario. Die Hälfte leidet an Heimweh wegen des ersten längeren Fernbleibens von den Eltern, kombiniert mit der Angewiesenheit auf Windeln, während die meisten anderen die Gesellschaft so vieler Gleichaltriger kaum gewohnt sind und permanent versuchen, sich gegenüber den anderen zu beweisen. Dass es dort im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber geht? – Kein Wunder. An der Tafel steht eine Lehrerin, zuständig für 3 verschiedene Altersgruppen mit verschiedenen Ansprüchen und Unterrichtsinhalten. Dass die ersten Wochen in der Schule prägend sind, ist wohl niemandem neu. Bis zur Mittagszeit arbeiteten wir deshalb mit diesen Kindern, soweit es die sporadischen Spanischkenntnisse es eben erlaubten. Häufig werden Bilder ausgemalt, eine Gruppe spielt mit den heiß begehrten “Blokkes” (Duplosteine, nur noch etwas über-dimensionialer) und gelegentlich gibt es auch die aufregenden Tage, wo mit Tusche gemalt wird, Papierflieger für jedes Kind gebastelt werden oder kleine Origami Häschen. Was könnte es besseres für einen völlig mit dem Spanisch überforderten weltwärts-Freiwilligen geben, als 40 kleine Tierchen zu basteln und anschließend die pure Freude und Faszination der Kleinen in sich aufzunehmen? Wohl wenig. Nach kurzer Zeit dort, durften wir auch einen Teil der Gruppe einmal selber übernehmen und kleine Unterrichtseinheiten durchführen. Durch die wenigen finanziellen Mittel der Schule ist es selten möglich, Arbeitsblätter oder gar Ausmalbilder zu kopieren, weswegen die Hausaufgaben täglich in jedes Heft einzeln geschrieben werden und alles grundsätzlich per Hand für jedes Kind gemalt werden muss.

Nach mehreren Wochen der Eingewöhnung an die Lehrmethoden der Schule, war es dann soweit – der Englischunterricht begann. 5 mal die Woche helfe ich seitdem in den 4 Klassen, eine echte Herausforderung. Einen konkreten Lehrplan für Englisch gibt es erst ab der 2. Klasse, weswegen ich viel Material zur Verfügung gestellt bekommen habe, wie Arbeitsblätter über das Alphabet, Tiere, Farben, Zahlen und so weiter. Somit unterrichte ich die 1. Klasse, um eine Grundlage für den Unterricht ab der 2. Klasse zu setzen und die 3 Altersgruppen darunter in einem kleinen Raum, der die Konzentration der Kleinen etwas erschwert. Dennoch macht es viel Spaß, verschiedene Lehrmetoden auszuprobieren und sich mit den Fortschritten zu beschäftigen und auch einen gewissen Grad an Zufriedenheit entwickeln, wenn jemand redet, der vorher nie ein Wort gesagt hat, jemand die Zeichnung mit größtem Vergnügen gut beendet oder man die ganze Klasse mal vollkommen unter Kontrolle hat.

So erwärmt es einem auch das Herz, wenn man morgens stürmisch umarmt wird oder die Kinder enthusiastisch rufen, wenn man den Raum betritt.

Natürlich ist es nicht leicht, bei Englisch von 0 anzufangen, aber die Kinder lernen sehr schnell und was könnte es für eine schönere Möglichkeit geben, Spanisch zu lernen als das ständige allgegenwärtige Geplapper.

Weitere kleine Aufgaben sind z.B. das Sprungkästchen auf dem Schulhof nachmalen, einzelne Schüler nochmal rausnehmen und mit ihnen das Gelernte wiederholen, sowie Buntstifte aus den kauenden Mündern entfernen, Kinder, die sich weigern zu essen, zu diesem überreden und die kleinen Prügeleien beenden und den Verlierern die Tränen trocknen.

Nach den ersten schwierigen, aber durchaus ergiebigen Wochen im Projekt, fühle ich mich langsam immer sicherer im Alltag sowie im Umgang mit den Kindern und bin auch etwas erschöpft von den ganzen neuen Situationen, die man zu stemmen hat, aber ich freue mich auf die vielen weiteren Monate, die mit den Kindern vor mir liegen und die Möglichkeiten, die sich auftun werden.

Bis dahin, adios y hasta pronto und viele karibische Sommergrüße!

 


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