Hier ist also mein zweites Lebenszeichen. Um gleich am Anfang die Spannung zu nehmen: Mir geht es immer noch ganz wunderbar hier. Der erste Schnee ist in Dilijan gefallen und innerhalb unserer WG wird heiß diskutiert, ob unser selbstgemachter Adventskranz Kerzen oder Nutella-Gläser bekommen soll. Ich werde natürlich auch über diesen Entscheidungsprozess weiter berichten, doch dieses Mal soll es eher darum gehen, weswegen ich in erster Linie hier bin: Meine Arbeit.

Die groben Umstände: Ich arbeite in der kleinen Stadt Dilijan im Norden von Armenien im Youth Cooperation Center of Dilijan NGO (kurz: YCCD). Artur, unser Koordinator und Ansprechpartner vor Ort, ist gleichzeitig Gründer und mit seiner Frau Aida zusammen einziger fester Angestellter im YCCD. Die Nichtregierungsorganisation hat ihr Büro im Rathaus von Dilijan und erhält dank Fundraising und einigen befristeten Programmen wohl auch ausreichend Förderung für seine vielen Projekte. Ansonsten verfügt das YCCD allerdings, besonders personell, über wenige Ressourcen.

Wir als Freiwillige unterstützen die beiden also in nahezu allen laufenden Projekten, welche sich im Falle des YCCD in viele Bereiche erstrecken. Hauptsächlich setzten sie sich mit ihren Projekten in der Stärkung der Bürgerbeteiligung vor Ort ein, fördern mit dem Projekt meiner Mitfreiwilligen Lina den grenzüberschreitenden Tourismus mit Georgien und haben neben dem Sozialunternehmertum Projekt ARMENECOOP, in welchem ich arbeite, noch einige Projekte mit den Schulen und Colleges vor Ort, in denen hauptsächlich meine beiden anderen Mitbewohnerinnen beteiligt sind.

Armenien, Elisabeth, Natur, Berge, Dilijan, weltwärts

Mein Projekt ARMENECOOP ist aus einer Kooperation zwischen dem YCCD und einer italienischen Partnerorganisation entstanden und verfolgt den Versuch ein funktionierendes „Social Entrepreneurship“ in Dilijan aufzubauen. Im Zuge dessen werden arbeitslose Frauen aus Dilijan und Umgebung unternehmerisch und handwerklich aus- bzw. fortgebildet, um ihnen eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Die Produkte dieses Prozesses sollen als Souvenirs „100% Made in Dilijan“ vermarktet werden und das Projekt hauptsächlich tragen.

Das Projekt hat junge, arbeitslose Frauen aus Dilijan und Umgebung als Zielgruppe, da Arbeitslosigkeit, besonders in Armeniens ländlichen Gebieten eines der größten gesellschaftlichen Probleme darstellt. Die Gruppe, die aufgrund der Gesellschaftsstruktur am meisten davon betroffen ist, ist die der Frauen. Laut des Berichtes des National Statistical Service für 2016 sind 71% der offiziell als arbeitslos registrierten Armenier im Alter von 23-30 Jahren Frauen.

Das Projekt hat bisher schon eine Generation von 20 Frauen geschult, von denen auch rund 60% direkt nach Abschluss des Programmes eine Arbeit gefunden haben. Nun ist es daran dieses Programm soweit es geht in die Unabhängigkeit zu leiten und die nächste Generation auszubilden.

Meine Aufgaben dabei: Alles, was so anfällt. Meine Aufgaben sind zum Beispiel den E-Mail Verkehr des Projektes zu überblicken und richtig weiterzuleiten, die Social-Media Seiten zu pflegen, Berichte zu schrieben, zu helfen die Produkte zu vermarkten, dafür sorgen, dass alles so reibungslos wie möglich läuft. Ich arbeite dabei vornehmlich Aida zu. In den letzten Wochen haben wir zum Beispiel einige Förderanträge geschrieben, wobei ich oft die Vorlagen schreibe und Aida, die ARMENECOOP hauptsächlich koordiniert, einige Details ergänzt und Dinge wie das Budget schreibt, die ich nicht übernehmen kann. Ich denke, wenn ich meiner Tätigkeit einen Namen geben sollte, wäre er wahrscheinlich „Assistentin“ und das ist meiner Meinung nach sehr viel cooler, als es klingt. Für mich ist das Spannendste daran, dass ich viele verschiedene kleine Aufgaben habe, es dadurch nie langweilig wird und mir gleichzeitig vom ersten Tag an so viel anvertraut wurde, dass ich mich unabhängig in meiner Arbeit fühle.

Und sonst so? Beschäftige ich mich hauptsächlich mit Sport, Wandern, sehr viel Yerevan, damit leichte Erdbeben zu verschlafen,  und demnächst zum Beispiel einem Wochenendausflug mit einigen Freunden nach Tibilissi, der Hauptstadt von Georgien. Doch davon hoffentlich nächstes Mal mehr.

Picknick über den Dächern Yerevans


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