Bevor ich in den nächsten Monaten hoffentlich tiefer berichten werde über das Land Armenien, seine Kultur, meine Arbeit hier und alle weiteren Abendteuer, die mich hier noch erwarten, möchte ich mit diesem Beitrag das „Drumherum“ erklären. Allgemeines also, wie ich her gekommen bin und warum.

Letztere Frage stand auf so ziemlich allen Gesichtern der Personen, denen ich von meinen Reiseplänen erzählt habe. Ich gliedere die Reaktionen darauf gerne in folgende Phasen:

Nr.1: Der überraschte Blick,

…der mich fragend musterte nach der Antwort auf die Frage, ob ich mir das auch gut überlegt hätte…Hatte ich? Ja, das hatte ich. Ich war schon lange davon überzeugt, dass ein Auslandsjahr nach dem Abitur für mich das Richtige sein würde, zumal ich mich nicht in der Lage fühlte, mich direkt nach meinem Abschluss für ein Studium oder Ähnliches zu entscheiden und ich dazu auch noch sehr gerne innerhalb einer fremden Kultur meine Zeit für etwas sinnvolles spenden wollte.

Deswegen war für mich sehr schnell klar, dass es über „weltwärts“ weltwärts gehen würde. Nach ein paar Bewerbungen und im späten 2016 und inneren Diskussionen, wo die Reise denn jetzt hingehen sollte, wurde ich von Open Door International (ODI) zum Auswahlseminar eingeladen und letztendlich für das Projekt ARMENECOOP in Armenien vorgeschlagen und angenommen.

Was uns zur Phase Nr. 2 bringt: „Wo ist das nochmal??“

Ein wagemutiger Geograph, mit  dem ich über meine Pläne sprach, ordnete den kleinen Staat im Südkaukasus „da bei den stan-Ländern“ ein. Fast. Armenien grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Azerbaijan, im Süden an Iran und im Westen an die Türkei eingegrenzt und hat somit keinen Seezugang, was für ein Nordlicht, wie ich es bin, schon eine große Umstellung bedeutete. Doch der Südkaukasus hat landschaftlich in der Tat viel zu bieten. Wenn man von uns in die ca. eine Stunde entfernte Hauptstadt Yerevan fährt, wird die Landschaft schnell sehr steinig, karg und weniger bergig, doch die Landschaft um Dilijan, dem Ort in dem ich wohne, wird oft „Armenische Schweiz“ genannt und das zu Recht: Große dicht bewaldete Berge mit weißen Spitzen und wunderschönen Bergwiesen…kein schweres Los, wenn ich ehrlich bin. Auch politisch gesehen ist Armenien vielleicht nicht das stabilste Land und steht in Konflikt mit 2 von 4 Nachbarstaaten, doch was mich betrifft fühle ich mich hier sicher und so geht es auch allen anderen Internationalen, mit denen ich gesprochen habe. Also auch, wenn man auf dem Google-Maps-Ausschnitt schon einen Zipfel von Syrien erkennen kann, muss man sich wohl keine Sorgen um mich machen.

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Es bleibt noch die Phase Nr. 3 zu klären: „Warum Armenien?“

Zunächst einmal war es mir wichtig voll hinter dem Projekt zu stehen, in dem ich arbeite und das ist bei ARMENECOOP, über das ich noch ausführlich berichten werde, absolut der Fall. Grob gesagt werden innerhalb dieses Projektes junge arbeitslose Frauen in handwerklichen und unternehmerischen Fähigkeiten geschult, um zum einen bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen und zum anderen über die Ausbildung hinaus ein Einkommen dadurch erarbeiten können, die ARMENECOOP-Produkte zu produzieren, die wir hier in Dilijan hauptsächlich an Touristen, aber bald hoffentlich auch online verkaufen. Ich mochte diesen Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe und finde außerdem – jetzt wo ich hier bin –, dass dieses Projekt die Kernprobleme der armenischen Gesellschaft hier anvisiert, doch zum Projekt selbst später mehr.

Das wäre dann die Geschichte, wie ich hier gelandet bin. Übersprungen habe ich die abschiedsreichen Wochen vor dem 16.09.2017, meinem Ausreisetag, einen wirklich bescheidenen Flug und die zugegeben sehr anstrengenden ersten Tage, die ich hier verbracht habe. Doch dieses kleine Gefühlschaos möchte ich an dieser Stelle auch nicht weiter ausführen.

Es lass nur gesagt seien, dass ich die Redewendung „aller Anfang ist schwer“ in all ihrer Tiefe nun verstanden habe, aber möchte auch gleich Entwarnung geben – für alle Besorgten, die das hier zeitnah lesen oder alle zukünftigen Freiwilligen, die sich ihrer Sache nicht sicher oder gar in der gleichen Situation sind: Das wohl Wichtigste, was ich in dieser sehr intensiven Anfangszeit lernen durfte ist, dass es das alles wert ist. Auch, wenn der Anfang hart ist und man im Voraus die oben beschrieben Phasen in unterschiedlichen Ausprägungen durchlaufen muss (und ich hatte das Stirnrunzeln irgendwann wirklich sehr satt), habe ich von denselben Personen am Ende auch eine unendlich große Unterstützung erhalten, für die ich sehr dankbar bin und bin jetzt soweit eingelebt, dass ich mit Bestimmtheit sagen kann, dass ich die nächsten Monate sehr genießen werde und jetzt schon ganz wunderbare Menschen kennengelernt habe, dass ich das auch nicht alleine tun werde.


1 Comment

Thomas Walter Friedrich · 10. Oktober 2017 at 19:02

Guten Abend, liebe Elisabeth,
gute Darstellung von alle,
melde mich morgen nach Klausurnoten-Management

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