Rebekka, Rumänien, BuildingOurStory, EFD-Blog, Europäischer Freiwilligendienst, ODI, 2017Rebekka, Rumänien, BuildingOurStory, EFD-Blog, Europäischer Freiwilligendienst, ODI, 2017

Ich bin nun schon zehn Tage in Bukarest (Rumänien) und habe schon sehr viel erlebt und erfahren. Meine Organisation heißt „Asociatia Young Initiative“ und ich nehme an dem Projekt „Building Our Story“ für sechs Monate teil. Ich bin hier mit sechs anderen Freiwilligen: Katia, Loann und Lisa kommen aus Frankreich; Antonio kommt aus Italien und Maxi kommt auch aus Deutschland. Das Projekt heißt so, weil wir hier viel selbst bestimmen können und dadurch die Gestalter unserer eigenen Geschichte sind. Wir haben eine Auswahl an Einrichtungen, in denen wir Workshops mit Hilfe von non-formal education anbieten können, um die Kinder und Jugendlichen mehr in die Gesellschaft einzubinden, ihr Toleranzdenken zu fördern und ihr kritisches Denken auszuprägen. Außerdem bekommt jede oder jeder Freiwillige die Chance ein eigenes Projekt zu planen und ausführen, je nach Interesse des Freiwilligen und den Bedürfnissen der Menschen in Rumänien.

Ich bin mit dem Flugzeug von Frankfurt zwei Stunden mit einer Stunde Zeitverschiebung nach Bukarest geflogen. Dort angekommen, wurde ich von Razvan (dem Leiter der Organisation), Maria und Ana abgeholt. Wir haben noch auf Katia gewartet, da ihr Flug ähnlich ankam  wie meiner und sind dann mit dem Taxi zu unserer WG gefahren. Dort wohnen wir im 10. Stock in einem Studentenwohnheim. Katia und ich, Loann und Antonio und Lisa und Maxi teilen uns je ein Zimmer. Wir benutzen die Küche, die für den ganzen 10. Stock zugänglich ist und die aber leider von einer Kamera durchgängig überwacht wird. Wir kochen jeden Abend und frühstücken dort zusammen. Der Fahrstuhl ist sehr eng und alt, sodass nur höchstens vier Menschen rein passen und er gibt immer sehr seltsame Geräusche von sich. Unsere Duschen brauchen sehr lange bis das Wasser warm wird und in der ersten Woche sind schon zwei Lichter kaputt gegangen, die aber jetzt wieder funktionieren. Das Wasser aus der Leitung ist nicht trinkbar, weil zu viel Chlor darin ist, sodass wir immer Wasser einkaufen müssen. Unser Blick aus dem Fenster ist auf die Kommunisten- Blocks noch von der Zeit von Ceausescu.

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Insgesamt ist das Stadtbild von Bukarest recht kontrastreich, da es mal sein kann, dass neben einem schönen alten Gebäude ein sehr zerfallenes und dreckiges Gebäude steht. Außerdem ist oftmals eine kleine schöne Kirche sehr „eingezäunt“ von großen hässlichen Gebäuden. Allerdings gibt es auch schöne Parks und schöne Graffiti an Hauswänden und viele Katzen. Die Scheine der Währung Lei sind aus Plastik und sehen sehr schön aus. Sehenswert ist außerdem noch das Village Museum, in dem alte Gebäude aus ganz Rumänien ausgestellt werden und der Escape Room, in dem eine Gruppe bestimmte Aufgaben lösen muss, um aus dem Raum zu kommen.

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Am ersten Tag wurde uns die Organisation in dem CMON-Raum, der im Zentrum der Stadt ist, vorgestellt und die Werte wie zum Beispiel support, flexibility und adaptability besprochen. Außerdem haben wir über wichtige Worte, die wir in Bezug auf unser Projekt benutzten werden, wie zum Beispiel policy, politics, safe space, tolerance, non-formal education etc. besprochen und die unterschiedlichen Definitionen diskutiert, da wir ja alle aus unterschiedlichen Ländern kommen. Wir sind dort  mit der U-Bahn hingefahren. Das U-Bahn Netzwerk ist nicht besonders groß und es gibt nur sehr wenige U-Bahn Linien und Stationen. Der Verkehr hingegen ist furchtbar verrückt, alle Menschen parken irgendwo. Zum Beispiel gibt es einen Bürgersteig, wo auch Autos fahren, weil die Parkplätze direkt neben dem Bürgersteig sind. Oftmals ist die Stadt sehr laut, da viel gehupt wird und laute Sirenen von Polizei- oder Rettungsautos ertönen.

Rebekka, Rumänien, BuildingOurStory, EFD-Blog, Europäischer Freiwilligendienst, ODI, 2017Wir haben ein Kinderheim für missbrauchte Kinder besucht. Die Einrichtung ist in einer sehr ärmlichen Gegend und ist dafür gut strukturiert und sauber. Es gibt bestimmte Räume für die jeweiligen Altersklassen, die je nach Alter bestimmte Angebote haben. Fast alle Kinder waren in der Schule, außer zwei Kinder die zu jung sind und ein zehnjähriges Mädchen, das noch nie in der Schule war. Wir werden, wenn Menschen sich dazu entscheiden dort zu arbeiten, die BetreuerInnen bei ihrer Arbeit unterstützen. Danach gingen wir in einer von den vielen Malls in Bukarest  essen. Anschließend sind wir in eine Schule gegangen. Dort haben wir uns vor drei Klassen auf Englisch vorgestellt, da wir auch dort Workshops anbieten werden.  In einer Klasse war ein Junge, der „Welcome to Romania“ zu uns gesagt hat, als wir in den Klassenraum kamen. Die Lehrerin hat ihn dann in den Nacken gekniffen. Das war für mich ganz schön schlimm, weil ich die Bestrafung erstens nicht gerechtfertigt ist, da er nur etwas Nettes sagen wollte und zweitens ich Gewalt im Allgemeinen ablehne.

An einem anderen Tag haben wir noch ein soziales Apartment für Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden oder deren Eltern sich nicht um sie kümmern können, besucht. Dort gab es 4 Jungs, die so um die 9 Jahre alt sind, und zwei Betreuerinnen. Wir Freiwilligen haben uns aufgeteilt und ihnen versucht Englisch beizubringen. Das hat sehr viel Spaß gemacht, weil wir durch das Spiel Twister, die Farben und durch das Malen von Menschen, die Körperteile erklären konnten. Dadurch haben wir sogar ein bisschen Rumänisch gelernt und sie dadurch Englisch.

Dann haben wir an einem Tag vier verschiedene Büchereien besichtigt, in denen wir auch Workshops anbieten können. In der ersten gab es einen Ort der heißt X-Space, der von den Jugendlichen selbst gestaltet wurde und dementsprechend sehr bunt aussieht. Des Weiteren waren wir noch in der nationalen Bücherei, die dahingegen kahl und leer aussah. Danach waren wir in der Bücherei, zu der deRebekka, Rumänien, BuildingOurStory, EFD-Blog, Europäischer Freiwilligendienst, ODI, 2017r Bus eine Stunde braucht und in einer ärmlichen Gegend ist. Anschließend haben wir noch die zentral gelegene Biblio Lounge besichtigt, in der sogar ein Klavier steht.

Wir hatten außerdem viele Workshops z.B. über die politische Situation in Rümanien, die Situation der Jugend in Rumänien, einen „No hate“-Workshop, public speaking und leadership Workshop, Erasmus+ Workshop, Tanz und Theater Workshop und einen Workshop über „Health and Safty“ bezüglich der Kinder und Jugendliche, mit denen wir arbeiten werden.  Dadurch habe ich viel über die Probleme von Rumänien gelernt wie z.B. die Korruption, die Armut, dass viele Menschen aus Rumänien wegziehen und wenige dort bleiben wollen, weil sie so wenig verdienen und aufgrund  der hohen Steuern auf ihr Gehalt. Außerdem gibt es eine hohe Inflation in Rumänien, das Bildungs- und Gesundheitssystem ist rückständig und viele Kinder und Jugendliche brechen die Schule ab, weil sie Zuhause arbeiten müssen und ihnen nicht klar ist, dass sie ohne das Abitur (das ist der einzige Schulabschluss, den die SchülerInnen erreichen können) keine guten Jobchancen haben und somit noch mehr in den „Armutskreislauf“ kommen.  Ein weiteres Problem ist die häusliche Gewalt gegenüber Frauen und das fehlende Bewusstsein der Jugend für die Wichtigkeit und Partizipation in der Politik.

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Heute war unser erster Sprachkurs, um die Basics in Rumänisch zu lernen. Diesen haben wir jetzt jede Woche für zwei bis drei Stunden. Rumänisch hat leider nicht sehr viel mit der deutschen Sprache zu tun, aber da ich Grundkenntnisse in Französisch habe und schon vorher damit angefangen habe, Rumänisch zu üben, fällt mir das schon ein bisschen leichter.

Für mich waren die ersten Tage hier sehr anstrengend und eindrucksvoll, sodass ich am Abend immer ganz schön müde war. Wir mussten immer früh aufstehen,  durchgängig Englisch reden, jeden Abend kochen, einkaufen gehen usw. Aber ich freue mich hier sein zu dürfen und bin positiv auf die weiteren Tage, Wochen und Monate gestimmt.

 

 

 

 


1 Comment

Barbara · 14. Oktober 2017 at 17:58

Das ist ein sehr ausfuehrlicher, interessanter Berricht. Maybe I should write in English now, since it is the official language. Just now I am waiting for some friends, we ll have a meeting of the Indo German Society. Maybe some more later. Good luck, Barbara

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