Dzień dobry, cześć und Servus ☼

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 27. September 2016, habe ich meine Reise in mein kleines polnisches EVS Abenteuer gestartet. Das Jahr, speziell in den letzten paar Monaten, ist wie im Flug vergangen und seit dem 03. August bin ich back in good old Deutschland, wo einen Familie, Freunde und der Alltag bereits im Handumdrehen wieder hatten.  Und was soll ich sagen: Ich vermisse Polen. Aber zuerst alles der Reihe nach!

Wie alles begann..

..Vom Münchner Flughafen aus flog ich frühmorgens zu meinem Ziel-Städtchen Olsztyn, im Nordosten Polens zwischen Danzig und Kaliningrad gelegen – so ganz ohne Vorstellung, was mich hier erwartete. Ich hatte keinerlei familiäre Verbindung zu Polen, war noch nie hier gewesen und hatte auch mit der Sprache absolut 0 Erfahrung oder etwaige Vorkenntnisse – trotzdem war ich jetzt tatsächlich hier hingereist.

Meine Freunde und Familie, besonders meine Eltern, waren zu Anfang nicht so recht begeistert, als ich ihnen freudestrahlend erzählte, dass ich endlich einen EVS-Platz hätte. In Polen. Als sie die verbreitetsten Klischees heraus gekramt hatten (Autoklau, Armut, generell Diebstahl, Deutschen-Abneigung, …) und mich überzeugen wollten, doch stattdessen lieber nach Amerika zu gehen oder dann gar keinen Freiwilligendienst zu machen, als nach Polen zu gehen, gewann bei mir der Trotz die Oberhand. Ich wollte ihnen unbedingt zeigen, dass sie sich irrten, dass Polen ganz anders ist, als sie und ich zu wissen glaubten und sagte deswegen fest meiner Einsatzstelle zu. Auch von meinem Umfeld musste ich mir das ganze Arsenal an gut gemeinten Sprüchen zum Abschied wie “Lass Dich bloß nicht klauen!” , “Schlüssel brauchst du da ja nicht zum Autofahren!” ,  und und und….. anhören. Das bestärkte mich aber nur noch weiter, in unseren Nachbarstaat zu fahren. Und so viel vorab: Bereut habe ich es definitiv nicht!

Aller Anfang ist schwer. Meistens!^^

In Olsztyn angekommen, wurde ich von meiner Organisation erst mal herzlichst begrüßt und war überrascht, dass alles eigentlich nicht großartig anders als bei uns auch aussah. Klar war das Stadtbild hauptsächlich geprägt von den typischen Swojet-Blockbauten, die man eigentlich überall in jeder Stadt der ehemaligen UdSSR findet, aber trotz anfänglicher Befremdlichkeit für mich als Landmensch gewöhnte ich mich recht schnell daran. Meine eigene Wohnung nahe des Stadtzentrums, die ich mir mit einer ukrainischen Freiwilligen teilte, befand sich ja ebenfalls in solch einem Block… Mithilfe vieler Bäume und Pflanzen dazwischen wurde aber versucht, alles ein bisschen aufzulockern und viel Grün und Natur gab es ja auch überall, innerhalb  und außerhalb von Olsztyn.

Olsztyn hatte abgesehen davon Unmengen an Seen in der Stadt und drum herum einen riesigen angrenzenden Stadtwald und eine sehr schnuckelige kleine Altstadt mit überraschend vielen Restaurants, Bars und coolen Cafés und sogar 2 Parks, was uns Freiwilligen natürlich die nachmittägliche und abendliche Freizeit verschönerte. Ich hatte mich hier sehr schnell eingelebt und fühlte mich eigentlich pudelwohl!

Insgesamt waren wir von meiner Organisation 4 Freiwillige für dieses Jahr: wir kamen aus Deutschland, Frankreich und der Ukraine plus ein ukrainischer Freiwilliger vom letzten Jahr, der in Polen geblieben war und nun hier arbeitet. So hatten wir also schon gleich zu Anfang unser kleines Trüppchen beieinander, mit dem wir oft etwas zusammen unternahmen. Mit der Zeit wuchs es zu einer stattlichen Gruppe heran: durch Zufall stieß noch eine Weltwärtsfreiwillige dazu, 2 andere deutsche Mädels der Diakonie, durch die 2. EVS-Organisation der Stadt kamen wir mit anderen EVS-Freiwilligen aus Weißrussland, der Ukraine, Tschechien und Ungarn in Kontakt, wir freundeten uns auf einem Erasmus-Treffen mit ein paar türkischen Erasmus-Studenten sowie polnischen Studenten der Olsztyner Uni an, trafen noch ein anderes französisches Ehepaar, das für ein Jahr hier lebte, sowie einen Holländer und und und…

Umfeld & soziale Kontakte: Done.  Blieb nur noch die Sprache……

Zu Anfang tat ich mich doch schwerer als gedacht mit der Sprache, speziell mit der Grammatik, und das Budget für Sprachunterricht war leider nach 2 Monaten schon aufgebraucht und ich lernte noch eine Weile für mich selber mit der Duolingo-App weiter (sehr zu empfehlen an dieser Stelle!!!).  Die Aussprache hatte ich zwar bald schon soweit im Griff , aber das Sprechen traute ich mich nicht so richtig anzufangen und redete immer nur das Nötigste in Polnisch, weil ich mich unsicher fühlte und keine Fehler machen wollte. Ein weiterer Fortschritt blieb also natürlich vorerst aus und ich trat auf der Stelle, was mich auch irgendwann frustrierte, weswegen ich zwischendurch kaum noch sprach. Die Sprachbarriere überwand ich völlig überraschend auf einmal nach etwa 7 Monaten, aber besser als überhaupt nicht. Zum Schluss hatte ich wirklich Freude am Polnischsprechen gefunden, ohne die Barriere lief es ja auch viel besser…

Wichtig ist  nicht Grammatik, sondern ob ihr euch verständlich machen könnt. Also jegliche Zweifel & Ängste beiseite schieben und einfach drauf los reden! ☺

…….und die Sache mit der Arbeit.

Arbeitstechnisch war es zu Anfang leider auch nicht so der Burner: Ich war die 1. EVS-Freiwillige im Planetarium und Observatorium Olsztynn; meine Einsatzstelle wusste also  noch gar nichts so recht, wie sie mich am besten und überhaupt einsetzen konnte und sollte. Ich war natürlich auch noch komplett unwissend und konnte dementsprechend nicht allzu viel selber zur Verbesserung beitragen, weil ich nicht wusste wie, und wartete somit erst mal ab. Ich hatte keine festen Aufgaben oder einen Bereich, für den ich als Freiwillige zuständig gewesen wäre und war nach dem 1. Monat ohne irgendeine Aufgabe doch so langsam etwas frustriert. Nach dem 2. Monat schaltete ich die Koordinatorin meiner Organisation ein und wir führten gemeinsam ein Gespräch mit der Verantwortlichen meiner Arbeitsstelle. Danach gab man sich viel Mühe und so nach und nach kristallisierten sich Dinge heraus, bei denen ich etwas tun konnte. Ich begleitet unser mobiles Planetarium zu Schulen, half bei Workshops mit Kindern und einem Ferienprogramm, startete die Shows unter der Kuppel, half in der Technik, übersetzte vom Englischen ins Deutsche oder andersherum, half bei Ausstellungen oder Sonder – Veranstaltungen. Meine Kollegen waren von Anfang an supernett zu mir, auch wenn es teilweise Sprachbarrieren gab, habe ich mich super wohl gefühlt und hatte viele lustige, interessante oder auch mal etwas komische Momente. Alles, was eben dazu gehört!

Kurze Timeline:

Angefangen bei meinem On Arrival Training in Warschau, bei dem ich viele andere Freiwillige aus ganz Europa kennengelernt habe, die in Polen ebenfalls einen EVS leisteten; dem Konzert meiner Lieblingsband, auf dem ich meine zukünftigen polnischen Kumpels traf, mit denen ich während des Jahres noch auf einige weitere Konzerte ging; eine von mir aufgebaute Star-Wars-Figurenausstellung im Planetarium; Weihnachten in einer polnischen Familie meines Arbeitskollegen; Neujahr in Krakau bei und mit vielen anderen EVS-Freiwilligen; genau wie mein Geburtstag in Olsztyn; den Besuch der Wolfsschanze; unser 1-wöchiger Malta-Urlaub zu viert; das Riesen-Universitätsfestival von Olsztyn namens “Kortowiada” ; gefolgt vom Back-Projekt in einer kleinen Dorfschule; dem Besuch meiner Mutter; der anschließenden Schweden-Reise über Mitsommer; dem Zelten und Kajak fahren mit den Freiwilligen meiner Organisation in den Masuren; bis hin zum Sommerferienprogramm für eine Kinderarche in Kombination mit einem deutsch-polnischen Jugendaustausch als Abschluss habe ich meinen EVS wirklich sehr genossen. Zudem hat meine polnische Organisation Borussia zusätzlich immer wieder kleinere kuturelle Veranstaltungen organisiert; ich bin an allen freien Tagen / längeren Wochenenden ebenfalls noch so viel durch Polen gereist, wie ich konnte und habe auch angefangen, regelmäßig ins Olsztyner Tierheim zu gehen, um mit den Hunden dort spazieren zu gehen.

Bei alldem habe ich unglaublich viele Menschen getroffen, in manchen tatsächlich neue Freunde gefunden und mit anderen ansonsten meistens einfach eine schöne Zeit gehabt. Ich habe viel über mich und über andere Nationalitäten, Mentalitäten oder das internationale Miteinander gelernt; hatte interessante Gespräche, Begegnungen und Diskussionen. Man denkt ganz anders über manche Dinge nach dieser Erfahrung und natürlich besonders über das Land, in dem man jetzt ein Jahr verbracht hat, was einen eigentlich nur positiv beeinflusst.

Tipps für zukünftige Freiwillige

  • Nicht aufgeben und den Kopf in den Sand stecken! Immer einen langen Atem behalten, auch wenn es mal nicht so gut klappt! Sei es beim eigenen Projekt, mit den Mitmenschen oder sprachlichen Barrieren.
  • Offen sein für Umdenken! Niemals an seinem Bild/Klischee/Stereotyp, das man von Orten, Menschen und Ländern hat, festhalten. Immer versuchen, mit den Personen zu reden und den Rest des Eisberges zu entdecken und nach dem “Warum” zu fragen.
  • Wenn ihr irgendein besonderes Hobby/Talent/Leidenschaft habt, sucht vor Ort nach einem Verein oder Einrichtungen, bei denen ihr euch einbringen könnt bzw. euren Neigungen und Interessen nachgehen könnt! Das kann eine Sportmannschaft sein, ein Schachspielclub, der Kirchenchor, das Tierheim, …..

Na koniec bzw. zum Schluss:

Auch wenn in Polen zu gewissen Dingen komische bzw. etwas veraltete Ansichten herrschen (Geschlechterrollen, Religion, Toleranz & Weltoffenheit, …), bei der ein oder anderen Sache (UMWELT!!!) noch einiges zu lernen ist und Polen momentan politisch nicht ganz auf dem richtigen Weg ist (Medienzensur, Aushöhlung des Versammlungsfreiheitsgesetzes, Justizreform, Propaganda gegen Russland + EU ►Stichwort “Smolensk-Demonstrationen” , …) sind die Polen dennoch ein sehr liebenswertes Völkchen, das, wenn es einen erstmal richtig kennen gelernt und akzeptiert hat, herzlicher nicht sein könnte! Es braucht dort eben alles seine Zeit ☺

Auch und gerade wegen den oben genannten Problem(ch)en, ist es unglaublich wichtig, weiterhin nach Polen zu kommen und den Menschen dort zu zeigen, dass Leute egal welcher Hautfarbe, Religion, …. von überall her extra dorthin kommen, um sich beispielsweise im Rahmen eines EVS in einem gemeinnützigen Projekt zu engagieren und einige Zeit in diesem Land zu verbringen. Es lohnt es sich übrigens auch generell,  einfach mal einen Abstecher in unser Nachbarland zu machen und die wunderschönen Städte Krakau, Danzig, Posen oder Thorn zu besuchen! Ist nicht teuer und nicht zu weit weg!

Ich jedenfalls konnte mein Bild von und über Polen ändern – genau wie das meiner Familie und den meisten meiner Freunde. Wir sehen unser Nachbarland jetzt mit anderen Augen, ohne das Wodka & Autoklau Klischee. Ich habe dort tatsächlich polnische Freunde sowie ein wunderbares Jahr mit Unmengen an Erlebnissen, Reisen und Erinnerungen gewonnen und werde sehr gerne wieder kommen ♥

Carina


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