Hallo hallo 😀

Wie versprochen komme ich dieses mal ohne Umwege direkt zum Thema. Die Affen.

Vier verschiedene Affenarten darf ich meine Park-Mitbewohner nennen: 26 Kapuzineraffen, 3 Wollaffen, 5 Marmosetten und 3 Berberaffen.

Alle Kapuzineraffen sowie Marmosetten wurden in den vergangen Jahren als Haustiere in kleinen Käfigen gehalten, was in England bis heute noch legal ist. Marmosetten kann man sich ohne Schwierigkeiten im Laden kaufen, für alle andern Affenarten braucht man eine Lizenz, die aber einfach zu bekommen ist und die es einem ermöglicht, jedes wildes Tier dieser Welt als Haustier zu halten.

Die Kapuzineraffen sind sicherlich die Affen mit den bewegendsten Geschichten.

Kodak

Kodak kommt ursprünglich aus Französisch-Guinea und wurde als kleines Baby nach Griechenland geschifft. Dort hat er vier Jahre in einem kleinen Käfig im Schaufenster eines Fotoladens gelebt, bis sein Besitzer schließlich eingesehen hat, dass ein glückliches Affenleben anders aussieht. Kodak weist, wie alle anderen Kapuzineraffen, starke Verhaltensauffälligkeiten auf. Er schlägt ständig seinen Schwanz auf den Boden, schreit laut auf, läuft hin und her. Läuft man morgens in Richtung seines Käfigs, ist er üblicherweise der erste, der einen aufgeregt grüßt.

Wie wir Menschen gehen auch die Affen ganz unterschiedlich mit Traumata um. Während andere keinen Appetit mehr haben, ist Kodak ständig am Frustessen.Affen

Kapuzineraffen sind wahnsinnig schlaue Tiere. Und vor allem Kodak weiß genau was er sich erlauben kann und wen er nur mit einem Hundewelpen-Gesicht angucken muss, um eine extra Erdnuss zu ergattern. Als ich neulich beim Affenkäfig putzen meinen Eimer zu nah an seinen Käfig gestellt habe, hat er mit seiner Hand durch den Zaun gegriffen und den Besen herausgezogen. Die Tierwärter kamen und wollten helfen den Besen wiederzubekommen. Doch so einfach ist das nicht. Auch als ihm eine Traube angeboten wird, gibt er den Besen nicht zurück. Die zweite Traube regt ihn auch noch nicht zum Tausch an. Erst als auf der Hand vier Trauben und ein Stück Brot liegen willigt er ein und gibt den Besen zurück.

Josh

Josh lebte an vielen verschiedenen Orten Englands, aber immer alleine in einem kleinen Innenkäfig. Zuletzt lebte er in einem Bauernhof, bis in einer Undercover-Reportage Gesundheits- und Sicherheitsprobleme des Hofs aufgedeckt wurden. Untergewichtig, mit hohem Blutzuckerspiegel und ohne das Ende seines Schwanzes wurde er hierher geliefert. Über sein heutiges Leben kann er sich aber nicht beschweren. Er hat sich von den Strapazen erholt und genießt sein Leben mit seinen Gleichgesinnten. Doch auch bei Josh sieht man immer wieder, was ein Leben hinter Gittern umringt von Menschen anrichten kann. Da ihm sein Besitzer beigebracht hat, Grimassen zu schneiden, fängt er nun immer an sein Gesicht zu verziehen, sobald er von einem Menschen angeguckt wird. Das scheint auf dem ersten Blick witzig auszusehen, doch ist es ganz und gar nicht. Wir Freiwilligen lernen deswegen, mit solchen Ticks und Verhaltensauffälligkeiten umzugehen. Wir lernen, wann man weggucken muss, wann man dem Affen den Rücken zu kehren sollte und wann man zurück grüßen darf.

Joey

Joey hat sicherlich die traurigste Geschichten aller Affen hier im Park. Er hat ganze neun Jahre in einem klitzekleinen Käfig in einer Wohnung in London gelebt. Bevor er hierher kam, hat er noch nie das Sonnenlicht oder einen anderen Affen zu Gesicht bekommen. Sein einziger Kumpane war ein Fernseher, der 24/7 angeschaltet war. Aufgrund fehlenden Vitamin Ds und schlechter Ernährung ist Joey heute behindert. Seine Knochen sind stark deformiert, sein Rücken krumm, die Hüftgelenke stark beeinträchtigt, so dass er schwer laufen und kaum klettern kann. Zusätzlich zeigt er starke Verhaltensauffälligkeiten auf: Er verletzt sich selbst, beißt in den Zaun und verbringt viel Zeit damit, den Oberkörper vor und zurück zu schaukeln. Trotz anfänglich starker Zweifel und Ängste seitens der „Keeper“ hat Joey sich gut gemacht und genießt Sonnenlicht und die Präsenz seiner Freunde.

Die Sanctuary

Die „Sanctuary“ gibt ihr bestes, um den geretteten Affen das bestmögliche Leben, nahe am freien Lebensstil in der Wildnis zu ermöglichen. Täglich versucht das Team die Gegebenheiten zu verbessern: Die Gehege werden vergrößert, die Inneneinrichtung vervielfältigt. Und trotzdem werden die Affen hier ihr restliches Leben in Gefangenschaft leben, in Käfigen, die riesig erscheinen, aber im Vergleich zum Urwald doch winzig klein sind. Mit dem Motto „Primates not Playmates!“ (Primaten und keine Spielkameraden!) versucht die Wohltätigkeitsorganisation den bis jetzt noch in Großbritannien legalen Affentierhandel zu illegalisieren. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich könnte noch ewig über die Affen weitererzählen. Zum Beispiel über Gucci, über die ich jedes mal lachen muss, wenn ich sie sehe, da sie keine Zähne mehr hat und sie deswegen aussieht wie eine alte Oma. Oder über Morwella, die fast keine Haare mehr hat, da sie sich die selbst ausreißt. Auch wenn ich so etwas in die Richtung nie studieren werde, finde ich das alles hier doch ziemlich interessant.

AffenAbschließend noch ganz kurz zu mir! Mir geht es super, auch wenn die Arbeit im Moment manchmal ein bisschen eintönig ist. Ich genieße die freien Tage, das gute Wetter und das gemeinsame Beisammensein am Abend.  Morgen geht es für drei Tage nach Bristol, gestern habe ich mir bei der Italian Night (unsere zwei Italiener haben für alle groß gekocht) den Bauch mit Pasta, Lasagne und Tiramisu voll geschlagen, und heute Abend ist großer Spieleabend.

Ich fühle mich hier wirklich wie zu Hause, nicht zuletzt durch meinen alljährlichen Adventskalender (hiermit nochmal ein fettes Danke an Mama!!!)

Bis demnächst 🙂

Hannah

Affen

 


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