Warum nach Dänemark? Warum gehst du nicht in die weite Welt, wenn du schon weg möchtest? Was gibt es dort denn schon? Da kannst du doch auch in Deutschland bleiben!

Das waren Reaktionen von so manchen Leuten, als ich erzählte, ich werde nach meinem Abitur für 9 Monate nach Dänemark gehen. Und ich muss zugeben, auch ich selbst wusste nicht wirklich warum, denn klar träumt man erst einmal von Neuseeland, Kanada, Südamerika oder wenigstens Norwegen oder Spanien.

So ging ich also vor knapp einem halben Jahr nach Dänemark, ohne groß etwas von diesem Land zu wissen.

Und klar, es ist nicht der Kultur- und Landschaftsunterschied wie zwischen Deutschland und Südamerika zum Beispiel. Doch  dennoch ist Dänemark nicht gleich Deutschland. Denn nach einem halben Jahr kann ich sagen, selbstverständlich gibt es Unterschiede! Und gar nicht so wenige! Auch wenn diese manchmal eher klein erscheinen, sind sie doch sehr relevant.

Die Einstellung der Dänen

Einer der größten Unterschiede wie ich finde ist, dass alle mit „Du“ und meist Vornamen angesprochen werden. Ja, man spricht seinen Chef mit „Du“ an, seinen Lehrer und auch bei Behörden. Es war echt seltsam am Anfang, doch man gewöhnt sich schnell daran. Und ich liebe es, denn es vermittelt einem das Gefühl, dass man in gewisser Weise auf „Augenhöhe“ steht. Der Umgang miteinander ist dadurch freundlicher und entspannter als in Deutschland.

Im Allgemeinen sind die Dänen eher verschlossen. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit, doch es braucht Zeit, bis man wirklich einen Dänen zum Freund hat. Auch ist ihnen die Arbeit sehr wichtig und sie sehen sich als Individuen, die selbst etwas tun müssen, um etwas zu erreichen. In Betrieben ist die Hierarchie flach und dadurch ist Eigeninitiative ein wichtiges Wort! Der Chef sagt dir nur selten, was genau du zu tun hast. Du musst selbst fragen, selbst Dinge in die Hand nehmen, wenn du voran kommen willst.

Auch der Kleidungsstil ist anders. Die Dänen mögen es im Alltag eher bequem, so tragen sie oft einfach eine Art Sporthose mit Pulli. Zu wichtigen Anlässen wird aber natürlich schickere Kleidung getragen 🙂

Im Umgang mit nationalen Symbolen ist ein großer Unterschied festzustellen. Danebrog, die dänische Flagge wird bei vielen Anlässen gehisst, viele haben eine Fahnenstange im Garten und auch gibt es von Servietten bis Girlanden alles mit Danebrog-Motiv. In Deutschland hingegen wird die Flagge eigentlich nie benutzt, da sie eben noch immer viel mit dem Nationalsozialismus verbunden wird.

Modernität

Und schon einmal eine dänische Schulklasse gesehen? Also Bücher musst du erst gar nicht suchen, denn in Dänemark hat jeder sein eigenes iPad und Tafeln gibt es natürlich auch nur in Form eines Smartboardes. In Bezug auf die Digitalisierung sind die Dänen uns deutlich voraus. Denn auch Bargeld wird eher selten benutzt, denn es gibt ja MobilPay mit dem ich Geld einfach und schnell überweisen kann und natürlich meine Kreditkarte. Oder auch „echte“ Post bekommt man hier eher selten, denn alles wird über Online Post „versendet“.

Möchtest du eine große Auswahl, so bist du in Dänemark vielleicht nicht ganz so richtig… Denn kommst du in verschiedene Häuser, so siehst du z.B. überall die gleichen Lampen. Warum? Ich weiß es nicht… Vielleicht gibt es wirklich nur diese Lampe hier zu kaufen? Oder vielleicht finden eben alle diese Lampe schön?

Und auch im Supermarkt findet man immer wieder dieselben Produkte und nicht wirklich solch eine Auswahl wie in Deutschland.  Milchprodukte gibt es eben nur von ARLA, und warum 50 Müslisorten, wenn 5 auch reichen und warum Fertigprodukte oder Fertigsoßen verkaufen? Ich muss sagen, ich lebe auf dem Land und weiß nicht, wie es in Supermärkten in Kopenhagen aussieht. Aber hier ist die Auswahl deutlich geringer, was nicht unbedingt schlecht sein muss, es fällt einem jedoch auf.

Das Essen

Und wenn wir schon beim Supermarkt sind, können wir ja mit dem Essen weitermachen. Das dänische Essen erinnert mich ein wenig an das Deutsche Essen aus alten Zeiten. Bei vielen ist Kartoffel immer noch ein sehr wichtiges Nahrungsmittel, was es meist jeden Abend zu Fleisch und vielleicht Salat gibt. An sich wird hier sehr oft Fleisch gegessen, was als Vegetarierin manchmal nicht so einfach ist.

Aber glücklicherweise gibt es für Vegetarier ja Kanelsnegle (Zimtschnecken), Tebirkes (Blätterteigbrötchen mit Mohn) oder æbleskiver (Siedegebäck) 🙂

Hygge

Landschaftlich gesehen, hat Dänemark natürlich keine Berge, Palmen, etc. zu bieten. Doch dafür ist man in weniger als einer Stunde am Meer, egal wo man wohnt! Und das ist etwas besondere, wie ich finde. Und natürlich ist Kopenhagen von der Größe her nicht mit New York oder Berlin vergleichbar, doch es hat etwas gemütliches hier, was ich sehr zu schätzen gelernt habe. „Hygge“ eben, auf das die Dänen so stolz sind 🙂

Dies sind nur ein paar Punkte, jedoch die, die für mich am relevantesten sind. Es gibt sehr viele weitere kleinere Unterschiede 🙂

Und was ich ganz vergessen habe: die Sprache. Klar, Dänisch und Deutsch haben Gemeinsamkeiten… aber nein, man versteht es nicht innerhalb von einem Tag oder einer Woche.


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