Tipps für die Wohnungssuche im Ausland

Dies war nun bereits das zweite Mal, dass ich in einem fremden Land eine Wohnung finden musste. (Normalerweise stellt meine Aufnahmeorganisation eine Gastfamilie zur Verfügung, aber ich wollte eine eigene Bude haben.) Obwohl meine Datenlage also überschaubar ist, glaube ich dennoch, dass ich jungen Leuten wie uns einige hilfreiche Tipps geben kann, wie man am besten vorgeht.

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Meine niedliche Küche in Krasnojarsk

 

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Der Herr des Hauses genießt die Ruhe

 

1. Nimm dir ein Hostel

Natürlich hängt es von dir und deinen finanziellen Möglichkeiten ab, wie viel Komfort du brauchst und dir leisten kannst, aber auch in einem ruhigen Vierbettzimmer kann man es Mal eine Woche oder zwei aushalten. Hostels haben den Vorteil, dass sie zuverlässig und einfach zu finden sind und somit eine ideale erste Basis für deinen Aufenthalt in der neuen Stadt darstellen. Airbnb dagegen ist meiner Meinung nach unsicher, gerade wenn du dich in einem Land wie Russland aufhältst, in dem Airbnb-Regeln kaum verstanden oder eingehalten werden (ich weiß, wo von ich spreche). Hostels haben oft eine 24h-Rezeption und die Angestellten können dir dabei helfen, jemanden anzurufen oder das Preis-Leistungsverhältnis einer Wohnung richtig einzuschätzen. Und abgesehen von der Hauptsaison kannst du zur Not deinen Aufenthalt jederzeit um ein paar Tage verlängern.

2. Vergiss Google

Frag stattdessen die Einheimischen, z. B. die Hostel-Angestellten, deine ArbeitskollegInnen oder andere Bekannte, nach den relevantesten und wichtigsten Immobilienwebseiten für deine Stadt. Beim heftig geführten Kampf um die vorderen Google-Plätze landen oft die technisch versierteren, aber tatsächlich weniger genutzten Webseiten auf dem Treppchen (oder die mit einer englischen Version). Die Einheimischen könnten aber gut und gerne andere Seiten benutzen, die du allein nie finden oder bemerken würdest.

3. Finde einen einheimischen Makler, der Englisch spricht – oder sprich selbst die Landessprache

Dies ist vielleicht der schwierigste Teil der Wohnungssuche. Wenn du nicht ausreichend in der Landessprache zurechtkommst, dann ist deine einzige Möglichkeit, einen Makler mit guten Englischkenntnissen zu finden (oder Französisch, Spanisch, etc., je nachdem, was weiterhilft). Wenn du Leute anrufst oder ihnen schreibst, wird oftmals die erste Frage sein: „Sprechen Sie X?“ Erst dann kannst du dich überhaupt nach der Wohnung erkundigen.

4. Bleib hartnäckig

Es kann sein, dass du an dieser Stelle frustriert bist, nachdem all deine Anrufe abgewiesen wurden, deine Favoriten nicht mehr zu haben oder die Wohnungen auf den Bildern toll, aber in Wahrheit schäbig waren. „Alles Zeitverschwendung“, wirst du denken – aber gib nicht auf! Je länger du im Hostel bist, desto mehr Geld geht dir natürlich Flöten, das du für die Miete brauchen könntest. Aktualisiere deine Online-Suche alle paar Stunden, um die neuesten der neuesten Angebote zu sehen, und irgendwann wirst du definitiv a ls Erste/r anrufen!

5. Schau dir die Wohnungen an

Selbst wenn du richtig verzweifelt bist, solltest du nie einen „Vertrag“ am Telefon abschließen. Geh zuerst immer hin und sieh sie dir an. (Eigentlich ein No-Brainer, aber für alle Fälle wollte ich es nochmal gesagt haben.)

6. Lass dich nicht von deinen Anforderungen abbringen

Wie gesagt werden die Wohnungen oft nicht deinen Erwartungen entsprechen oder sind schon vergeben. Manche Makler bieten dir dann vergleichbare Wohnungen in derselben Gegend an (vorausgesetzt, ihr könnt miteinander kommunizieren), wobei zweierlei Dinge passieren können: Entweder sie bedrängen dich, doch endlich eine bestimmte Wohnung zu nehmen, oder sie respektieren deine Bedenken und Zweifel und versprechen, dir Neues anzubieten, sobald sie was haben. Auf jeden Fall solltest du wissen, was du eigentlich möchtest und was für dich unverzichtbar ist! Klar sind deine finanziellen Grenzen und die Wunschgröße deiner Wohnung wichtig, aber vielleicht auch die Gegend (einschließlich Verkehrsanbindung), Ausstattung und sogar Gemütlichkeit oder Lichtverhältnisse (z. B. Blick nach Süden). Notiere dir, was deine Anforderungen und Bedürfnisse sind, und beharre auf ihnen!

7. Frag die Einheimischen nach ihrer Meinung

Sobald du etwas Ansprechendes gefunden hast, ist es sinnvoll, z. B. den Hostel-Angestellten oder deinen ArbeitskollegInnen davon zu erzählen und ihre Meinung einzuholen. So kannst du vergleichen und abschätzen, ob du einen guten Deal an der Leine hast oder übers Ohr gehauen wirst. Apropos…

8. Feilsche, vor allem wenn es zur örtlichen Kultur gehört

In Westeuropa ist Feilschen ziemlich verpönt. Ich persönlich mag es überhaupt nicht. Aber dort, wo du dich aufhältst, kann es ein normaler oder sogar essentieller Bestandteil des täglichen Lebens sein und du wärst ganz schön dämlich, wenn du nicht versuchen würdest, einen Rabatt zu kriegen. Natürlich solltest du dafür gut vorbereitet sein und über die örtliche Kultur und die Dos und Don’ts Bescheid wissen.

9. Akzeptiere die örtliche Handhabung von Verträgen

Damit meine ich, dass in manchen Ländern/Regionen überhaupt kein Vertrag unterschrieben wird, oder nur ein sehr dürftiger, der das bisschen Papier nicht wert ist, auf dem er steht, oder niemand Verträgen Bedeutung beimisst. So wurde mir z. B. gesagt, dass es in Russland normal ist, plötzlich und ohne Ankündigung von seinem Vermieter rausgeschmissen zu werden, nur damit sein eigenes Kind die Bude bekommt. Da kann man nichts machen, und du wirst diese Aussichten hinnehmen müssen. Aber wenn du es Mal getan hast, dann…

10. Genieße dein neues Leben!

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