Mir war ja schon bewusst, dass Krasnojarsk ziemlich kalt werden würde. Aber ich hatte nicht gedacht, dass die Temperaturen so tief sinken könnten (-40°C und drunter) – oder ich hatte den Gedanken einfach erfolgreich verdrängt. Und wenn selbst deine KollegInnen und die VerkäuferInnen in den Läden dir raten, an Tag X das Haus zu verlassen, dann weißt du, dass der Schnee am Dampfen ist. Deswegen hier nun also einige Tipps von waschechten Sibiriern für naive Ausländer wie mich.

OMG!

 

1. Kleidung

Wie eine Person zu mir meinte: „Werde zum Modefreak – trag einfach alles, was du hast!” Obwohl ich es den Zwiebelstil nennen würde, spricht man hier eher vom Kohlstil, wenn es darum geht, so viele Schichten anzuziehen wie möglich (nicht zu verwechseln mit dem Altkanzler). Außerdem wurden explizit Thermounterwäsche sowie Wollsocken und Wollfäustlinge empfohlen. Um höchste Qualität einzukaufen, sollte man sich zu den selbst strickenden Babushkas auf den Straßen begeben oder gleich „seine eigene Babushka finden, die einem alles Warme strickt.“ (Für alle Zocker: jemand meinte auch, den Schal im Gesicht zu tragen wie Subzero!) Begeben wir uns nun von draußen in die eigenen vier Wände…

Kohlstil

2. Bleib zu Hause

Breite Zustimmung fand auch die Idee, einfach zu Hause zu bleiben. Das ergibt natürlich Sinn, da die Häuser und Wohnungen hier sehr gut beheizt sind und die Heizkosten so lächerlich gering sind, dass sie nicht einmal auf die Miete draufkommen. In meinem alten Gebäude kann man die Heizung noch nicht einmal regulieren, sondern muss übers Fenster ein wenig Kälte hineinlassen, falls es zu heiß wird. Dennoch meinte jemand, man solle einfach „ALLE warmen und nicht so warmen Klamotten anziehen und zu Hause sitzen!“

3. Trinken oder nicht trinken?

Generell war man sich einig, dass von Alkohol während der frostigen Zeit die Finger zu lassen sind. Besonders bei längerem Aufenthalt im Freien kann Alkohol zur sinnverwirrenden und lebensbedrohlichen Gefahr werden. Allerhöchstens solle man es mit Glühwein oder – so die Empfehlung – 50ml Cognac halten (nicht mehr!), um ein wenig aufzuwärmen. Am besten jedoch sei Tee für den Körper, so der Tenor.

4. Liebe

Der süßeste Ratschlag von allen. Umarmt euch. Gebt euch „Eskimoküsse – der beste Weg um in der Kälte deine Gefühle auszudrücken.“ Natürlich kommt das bei Fremden in Russland wahrscheinlich nicht so gut an, obwohl wir mal ein Experiment durchführen sollten, um das zu testen, von daher tut’s vielleicht auch einfach „die Liebe zur Heimat“, wie jemand meinte.

5. Ich und mein Holz

Für das echte Sibirienerlebnis solltet ihr Holz hacken gehen, um euren Körper aufzuwärmen, und dann die Banya für ein herrliches Dampfbad heizen. Im besten Fall habt ihr noch einen gefrorenen See in der Nähe, obwohl ein anständiger Haufen Schnee es auch tut.

6. Essen

Eine Person wies darauf hin, dass man hier im Winter schlicht und einfach mehr essen muss, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. (Einen spannenden Erlebnisbericht gibt es hier.) Fleisch wäre dazu das Mittel der Wahl, aber für Vegetarier kämen wohl auch Süßigkeiten oder Frischkäse und Schmand in Betracht. Ohne Witz, man kann dem Schmand hier nicht entfliehen.

7. Lass es bleiben

In meinen Augen der unterhaltsamste Tipp: „Komm nicht nach Sibirien während des Frostes!“ „Flieg in wärmere Regionen, um den Frost zu überleben.“ „Komm hier im Winter nicht her.“ Da spricht wohl pure Lebenserfahrung. Dennoch muss ich sagen, dass ich meinen allerersten Winter in Sibirien genieße, und ich kann euch nur ermuntern, im nächsten Jahr ebenfalls vorbeizukommen und es selbst zu erleben!

Winterzauber


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