Hallo ihr Lieben, ohne mich groß mit einleitenden Worten aufzuhalten, geht es hier direkt weiter mit meinen Reiseerlebnissen.

Mit einer Gruppe von 7 Menschen (andere EVSler_innen aus Rustavi) wollten wir nach Vardzia reisen, eine Höhlenstadt im Süden von Georgien, gebaut im 12. Jahrhundert.

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Da es recht schwierig ist mit 7 Menschen zu trampen haben wir uns aufgeteilt und eine Wette gemacht, wer zuerst ankommt. Ja, unsere Gruppe ist kläglich gescheitert, dafür haben wir noch andere schöne Orte gesehen. Zum Beispiel als wir Davit getroffen haben, ein Mann, der einige Jahre in Deutschland gearbeitet hat und ganz aus dem Häuschen war, als er mit mir Deutsch sprechen konnte. Er hat uns im ganzen Ort herumgefahren und zu Freunden und Familie gebracht um zu zeigen, dass eine Deutsche, eine Tschechin und Italienerin bei ihm im Auto saßen. Er hat uns noch bei ihm zu Hause auf einen Kaffee eingeladen und Wein geschenkt und uns dann zu einer natürlichen heißen Quelle gebracht, wo auch Mineralwasser hergestellt wird. Der Boden ist rostrot und grün-bläulich gefärbt wegen all dem Eisen und Mineralstoffen, das sieht echt crazy aus. Danach kam aber erst mal kein Auto mehr und wir mussten eine Weile laufen, was aber sehr schön war dank der warmen Temperatur trotz November und der großartigen Landschaft.

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Endlich angekommen sind wir in der Gegend etwas herumgelaufen und am nächsten Tag, wieder mit super schönem Wetter, die Höhlenstadt erkundet. Es macht echt Spaß die engen Gänge zu erforschen, Treppen hoch- und runter zu klettern, Slav-Squatting, die Aussicht zu genießen und natürlich Chacha und/oder Kognak zu probieren. Daran muss mensch sich einfach gewöhnen, wenn mensch mit EDFler_innen aus Rustavi zusammen ist, gibt es immer Chacha dazu. (Für alle die es vergessen haben oder nicht wissen: Chacha ist ein 40-80%iges alkoholisches Getränk, das aus Trauben hergestellt wird.)

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Auf dem Weg nach Hause wollten wir mal nicht langweilig sein und die meistbefahrene Strecke durch Borjomi, Khaschuri und Gori nehmen, sondern einen Weg durch den Süden von Georgien durch Ninozminda. Das hat sich auch total gelohnt, denn die Landschaft ist auch wunderschön. Ninozminda liegt nahe an der Grenze zu Armenien, weswegen viele Armenier_innen dort leben. Wir sind dann von einem orthodoxen Priester mitgenommen worden und es hatte schon etwas ironisch-episches an sich, in einem klapprigen Auto mit einem Priester und lauter Kirchenmusik durch die Welt kutschiert zu werden. In einem anderen Auto sind wir noch an verschiedenen Seen vorbeigekommen, z.B. Paravani Lake, der auch echt schön ist, bevor wir dann nach Hause gebracht wurden.

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Auf dem Weg nach Stepantsminda a.k.a. Kazbegi mit zwei Freunden aus Tschechien und Frankreich haben wir in Ananuri einen kurzen Stopp eingelegt. Grund dafür war die Festung Ananuri am Fluss Aragvi; beides ist einfach schön anzusehen. Auch in dem Ort Gudauri sind wir vorbeigekommen als wir mit der Polizei getrampt sind. Wir haben eine Pause für das Mittagessen gemacht und dabei die schlechtesten Khinkali gegessen die ich je probiert habe. Naja, auch das konnte uns nicht die Laune verderben. Interessant zu sehen war auch die etliche Kilometer lange Schlange von LKWs die vor Gudauri auf dem Seitenstreifen stand. Dieser Weg, der military highway, ist nämlich so gut wie die einzige Möglichkeit für LKWs über die Grenze von Georgien nach Russland zu kommen. Da muss mensch wohl schon etwas warten.

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Weiter in Kazbegi haben wir in einem sehr schönen Hostel geschlafen mit einer sehr interkulturellen Nacht. Es waren nämlich Menschen aus insgesamt 8 Ländern da: Georgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Thailand, China, Iran und Slowakei. Am Abend sind wir noch zu einem kleinen Wasserfall gelaufen, den ich auf dem Hinweg gesehen hatte. Ein Mann hat noch versucht uns davon abzuhalten, weil dort nachts wohl Wölfe seien und hat uns stattdessen zum Wein trinken eingeladen. Wir wollten aber trotzdem zum Wasserfall, auch weil es noch nicht dunkel war. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Am nächsten Tag sind wir dann noch zusammen mit dem Iraner und strahlendem Sonnenschein auf den Berg Kazbeg gewandert. Der Weg dorthin und die Aussicht am Ende sind wirklich wunderschön. Der Weg hinunter war eine einzige Schlittertour, trotzdem witzig. Schön anzusehen war auch, wie all die riesigen SUVs und Geländewagen mit Allradantrieb es nicht geschafft haben den steilen Weg hinauf zu kommen. Nur die alten und klapprigen Ladas haben es geschafft. Wieder unten angekommen sind wir auf den Wunsch des Franzosen hin zur georgisch-russischen Grenze getrampt, die wie schon gesagt sehr nah ist. Warum wir das machen? Keine Ahnung. Vielleicht einfach weil wir es können und Spaß dabei haben unsinnige Dinge zu tun. So verlaufen eigentlich die meisten Reisen von uns wenn ich darüber nachdenke… Nach dieser Aktion sind wir jedenfalls auch wieder wohlbehalten zurück nach Tbilisi getrampt.

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Der nächste Trip war sehr ungewöhnlich für mich und auch etwas komisch. Es ist nämlich das erste Mal, dass ich einfach ein bisschen Geld bezahlt habe und dafür mit einer Reisegruppe irgendwohin an schöne Orte kutschiert wurde. Das Reiseziel war Sioni und das war schon auch schön, nur ist alles irgendwie sehr unbewusst passiert. Ich weiß immer noch nicht in welchen Orten wir genau waren. Es gab nur viele alte Klöster, schneebedeckte Wälder und den Stausee in Zhinvali. Ich bin mit meinen zwei Mitbewohnern und zwei Freunden zusammen gegangen und wir haben trotzdem viel Spaß gehabt. Interessant war auch, dass wir immer wieder dazu genötigt wurden alle möglichen Gruppenfotos zu machen. Naja, ich würde nicht sagen, dass es ein verschwendeter Tag oder verschwendetes Geld war (es war sowieso sehr günstig), ich bevorzuge es trotzdem eigenständig unterwegs zu sein.

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Die nächste Reise war auch etwas anderer Natur. Es ging nämlich über Neujahr für eine Woche in die Ukraine, nach Lviv. Leider konnte ich da nur schwerlich hin trampen, deswegen musste ich wohl oder übel ein Flugzeug nehmen. In Kiev gelandet habe ich eine Freundin getroffen, die ich in Georgien bei einem Projekt kennengelernt habe. Leider hatte ich nur einen Abend in Kiev, bevor ich am nächsten Morgen die 10-stündige Zugfahrt nach Lviv antrat. Trotzdem war es schön in Kiev herumzulaufen, den Meidan Platz in echt zu sehen und einfach zu fühlen wie es ist, in Kiev zu sein. Ich will auf jeden Fall noch einmal mit mehr Zeit in diese Stadt kommen. Jedenfalls habe ich bei der Freundin geschlafen und mich für die Zugfahrt gut mit Essen eingedeckt. 10 Stunden klingen aber schlimmer als es in echt war. Ich hatte nämlich ein Bett und liegend, schlafend und essend konnte ich diese Zeit ganz gut überbrücken. Um noch zu klären warum eigentlich genau Lviv: Seit drei Jahren trifft sich eine internationale Gruppe von Freunden die sich über Erasmus+ Projekte kennengelernt haben immer über Silvester um sich wiederzusehen und Zeit miteinander zu bringen. Ich war dieses Mal das erste Mal dabei und die Menschen sind echt nett. Und Ukraine ganz einfach, weil es relativ mittig in Europa ist und vor allem günstig!

 

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Agnes, Georgien, Tiflis, DRONI, 2018, EFD, ODIDie Woche bestand dann hauptsächlich aus Lviv erkunden, gutes Essen, schöne Bars genießen, Escape Rooms und Menschen kennenlernen. Ich kann auch nur empfehlen, Lviv zu besuchen wenn ihr mal die Chance habt. Die 6-stündige Zugfahrt zurück nach Kiev war auch in Ordnung und nach etwas Chaos und Schwierigkeiten uns zu finden bin ich mit einer Freundin zurück nach Tbilisi geflogen. Zu zweit zu fliegen ist doch immer noch schöner als alleine.

Wieder im Lande angekommen sind Reisen, Georgien, Route, EFD, ODI, Freiwilligendienstwir zwei Wochen später mit der altbekannten Gruppe von EFDler_innen aus Rustavi nach Borjomi gereist. Diesmal mit dem Zug, weil wir Züge mögen, auch wenn die Fahrt 5 Stunden dauert, obwohl mensch die gleiche Strecke mit dem Auto in zwei bis drei Stunden zurücklegen kann. Dafür kostet es nur 2 Lari, aAgnes, Georgien, Tiflis, DRONI, 2018, EFD, ODIlso etwa 60 Cent. Gut ausgestattet mit Sonnenblumenkernen (auch seht typisch hier), Chacha und Wein haben wir uns also auf den Weg gemacht. Borjomi ist hauptsächlich für den Nationalpark und die natürlichen heißen Quellen bekannt; da wollten wir natürlich auch hin. Das Wasser war dann noch etwas kälter als erwartet so mitten im Winter, aber wenn man sich kurz im Schnee rollt ist auch das Wasser wieder warm. Am nächsten Tag sind wir dann mit der Eisenbahn „Kukushka“ von Borjomi nach Bakuriani gereist. Auch hier bevorzugten wir die schönen Erlebnisse der zeitlichen Effizienz. Mit dem Zug dauerte es knapp drei Stunden, mit dem Auto würde es eine halbe Stunde dauern. Außerdem war nur die Zugfahrt mit Kukushka der Grund warum wir nach Bakuriani wollten, denn die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h und mensch kann die wunderschöne schneebedeckte Natur genießen. Also sind wir nach einem leckeren Mittagsessen einfach wieder nach Hause getrampt.

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Als nächstes habe ich einfach die Gruppe EFDler_innen in Rustavi besucht, weil eine Freiwillige aus der Slowakei Geburtstag hatte. Die Stadt besteht aus einem neuen und alten Teil, dabei sieht der neue Teil mit den ganzen Soviet-Gebäuden viel älter und weniger schön aus. Jedenfalls gibt es dort in der Nähe auch ein wenig Natur und einen Hügel/Berg mit einem riesigen Kreuz darauf. Da sind wir hingelaufen. Das hat auch echt Spaß gemacht, denn neben der sehr coolen Gruppe von Menschen sah auch die Landschaft super aus. Abends haben wir uns dann noch daran probiert eigene Khinkali zu machen und überraschenderweise ist uns das auch ziemlich gut gelungen! Gefüllt mit Pilzen oder Kartoffeln und Käse haben wir die (neben Fleisch) bekanntesten Füllungen ausprobiert, aber auch ganz gegen alle Traditionen haben wir welche mit Kürbis gefüllt. Das ist in Georgien bestimmt ein Verbrechen so etwas zu machen, sie haben trotzdem super lecker geschmeckt.

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Darauf das Wochenende haben wir spontanReisen, Georgien, Route, EFD, ODI, Freiwilligendienst den Schluss gefasst nach Sighnaghi zu trampen. Sighnaghi oder „Die Stadt der Liebe“ aus Georgien liegt in Kakheti, im Westen des Landes. Dieses Mal haben wir uns nicht das beste Wetter ausgesucht, denn es war sehr nebelig und es schneite. Das konnte uns trotzdem nicht davon abhalten loszuziehen und Spaß zu haben. Zum Glück war ich vorher schon mal in der Stadt gewesen, sonst hätte ich ganz schön was verpasst, denn Sighnaghi ist hauptsächlich für die schöne Aussicht bekannt. Dieses Mal konnten wir aber leider nur etwa 10 Meter weit sehen, was für eine wunderbare schneeweiße Aussicht gesorgt hat. Darüber haben wir uns natürlich auch ganz selbstironisch riesig darüber gefreut.

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Eine Woche später hatte einReisen, Georgien, Route, EFD, ODI, Freiwilligendienste andere EFDlerin in Gori Geburtstag. Ich war schon davor einmal in Gori gewesen und muss sagen, dass mensch sich diese Stadt eigentlich sparen kann zu besuchen. Gori ist der Geburtsort von Josef Dzhugashvili a.k.a. Stalin. Deswegen gibt es dort auch das Stalin-Museum, es ist jedoch nur auf Georgisch und Russisch übersetzt und ist hauptsächlich Propaganda, da mit keinem Wort die schlechten Dinge die er gemacht hat benannt werden. Trotzdem sind die Menschen aus Gori irgendwie stolz darauf. Dort gibt es auch noch ein Kloster und eine Art Burg, die sind ganz in Ordnung, aber nicht übertrieben sehenswert. Reisen, Georgien, Route, EFD, ODI, Freiwilligendienst

Jedenfalls bin ich am Tag nach dem Geburtstag nicht in Gori geblieben, sondern mit der so-called Rustavi-Mafia nach Uplistsikhe getrampt, was nah an Gori ist. Uplistsikhe ist auch eine Höhlenstadt wie Vardzia, nur nicht ganz so groß und imposant, trotzdem sehr schön zu besuchen, anzusehen, herumzulaufen und Spaß zu haben. Auf dem Heimweg hatten wir viel Glück mit dem Trampen, denn von Uplistikhe aus konnte uns jemand direkt nach Tbilisi mitnehmen.

 

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Das ist erstmal alles, was ich berichten wollte. Ist auch ganz schön viel geworden. Morgen geht es wahrscheinlich schon wieder woanders hin. Hier seht ihr noch eine wunderbar gestaltete Karte von mir. Die roten Flecken deuten Orte an, die ich schon besucht habe.

Das hört sich jetzt vielleicht so an, als ob mein Leben nur noch aus Reisen bestehen würde, das tut es natürlich nicht. Ich habe immer noch eine ganze Woche zu arbeiten und im Büro zu sitzen zwischen den Wochenenden. Da tut es einfach auch gut mal aus der überfüllten und luftverschmutzten Stadt heraus zu kommen.

Und obwohl ich schon an diesen ganzen Orten war, möchte ich noch an ganz viele andere Orte reisen. Von Armenien und Azerbeijan einmal abgesehen. Ich hoffe ich schaffe noch alles was ich mir vornehme, bevor ich wieder auf dem Weg nach Hause nach Deutschland bin. Aber das wird sich noch herausstellen. Ich bin gespannt, was ich noch alles erleben werde!

 


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