Hier findest du interessante Informationen über Libanon, geschrieben von ehemaligen Freiwilligen.

Allgemeines

 Es gibt einen Witz im Libanon und der geht so:

„Was gefällt dir am besten am Libanon?“
„Dass Meer und Strand so nah an den schneebedeckten Bergen sind!“

Dieser Umstand ist zwar wahr, aber so klischeehaft, dass man sich schon etwas Besseres einfallen lassen muss als Neuling hier. Der Libanon liegt also am Mittelmeer (in dem man fast nirgendwo schwimmen kann aufgrund der Umweltverschmutzung), ist aber alles in allem ein sehr gebirgsreiches Land! Seine Nachbarstaaten sind Syrien und Israel – aufgrund der politischen Lage in dieser Region kann man das Land also ausschließlich per Flugzeug erreichend und verlassen.

Das aufälligste Merkmal ist die Größe: der Libanon ist winzig! Man kann eigentlich jeden Ort von Beirut aus in zwei Stunden erreichen. Hier ein paar Vergleiche:

Deutschland                                                                               Libanon

    Größe: 357.114 km²                                                                 Größe: 10.452 km²
Einwohnerzahl: ~ 80,5 Millionen                                           Einwohnerzahl: ~ 5,5 Millionen
Hauptstadt: Berlin                                                              Hauptstadt: Beirut

Beirut

Beirut ist wunderbar und gleichzeitig Chaos pur – die Leute hier sagen, die Dinge die sie an der Stadt lieben sind auch die Dinge die sie hassen! Vieles hier ist gleichzeitig esay-going und kompliziert wie zum Beispiel der Verkehr, öffentliche Einrichtungen oder Geschäfte. Eins ist sicher: die Stadt ist sehr vielseitig und jeder kann hier seine Gegend und Dinge finden, die ihm oder ihr gefallen. Man kann sich meistens vor Events kaum retten und lernt sehr schnell neue Leute kennen – sowohl libanesische als auch internationale. Nur nicht schüchtern sein!

Sprache

Im Libanon wird vorwiegend libanesisches Arabisch gesprochen, was dem syrischen, jordanischen und palästinensischen Dialekt sehr ähnlich ist. Eine weitere sehr verbreitete Sprache ist Französisch, aber auch nur mit Englisch kommt man hier sehr gut weiter. Alles in allem kommt es auf die Region an, in der man ist. Zum Beispiel sagt man, dass Beirut der denkbar schlechteste Ort in der Region ist um Arabisch zu lernen, weil man es hier nie im Alltag benutzt – und genau so ist es auch!

VISA

Wenn man als Freiwillige*r im Libanon tätig ist, hat man offenbar keine Chance ein Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, daher muss man seine Zeit hier mit einem Touristen Visum verbringen. Das ist allerdings für maximal drei Monate gültig, daher muss man bei einem längeren Aufenthalt wenigstens alle drei Monate einmal aus- und wieder einreisen (günstigste Flugverbindungen sind die nach Kairo und Istanbul). Das Touristenvisum zu bekommen ist allerdings sehr einfach wenn man eine Adresse angeben kann unter der man hier zu finden ist und am Flughafen sagt, dass man „hier Arabisch lernen will“.
ACHTUNG: Wenn man bereits in Israel war, braucht man einen neuen Pass! Mit einem israelischen Stempel kann man auf keinen Fall einreisen!

Sicherheit

Das Auswärtige Amt gibt für den Libanon einige Sicherheitshinweise heraus, die man sich auf jeden Fall durchlesen und grundsätzlich auch befolgen sollte. Man sollte sich davon allerdings nicht abschrecken lassen und wird hier von der Realität eingeholt, in der man sich eben doch ab und zu in den Regionen oder Stadtteilen aufhält, vor denen dort gewarnt wird.

Man muss sich nicht weiter über die Checkpoints im ganzen Land und in Beirut wundern und wird vermutlich auch nie angehalten, die erhöhte Präsenz von Soldaten und Straßensperren ist aber vielleicht im ersten Moment etwas irritierend.

Wenn man unterwegs ist muss man ein Auge auf seine Sachen haben, wie überall auf der Welt. Wenn man Busse oder Services benutzt (besonders nachts) sollte man etwas vorsichtig sein um einerseits mit Geld, Kreditkarte und Handy zu Hause anzukommen und um andererseits (sehr seltene) sexuelle Belästigung zu vermeiden. Hinweise dazu kann man unter „Verkehr“ finden.

Verkehr

Der Verkehr im Libanon ist furchtbar! Man verbringt wirklich sehr viel Zeit auf der Straße, wenn man irgendwo hin will. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht sonderlich verbreitet, fast jeder hat hier ein eigenes Auto. Wenn man keins hat gibt es neben normalen Taxen zwei Optionen:

  1. Van: Vans sind VW-Busse, die zwar einer bestimmten Route folgen – man weiß aber nie so genau welcher! Man darf nicht schüchtern sein und sollte einfach immer dem Fahrer den Ort nennen zu dem man will, wenn er ja sagt steigt man ein und wenn er nein sagt fragt man den nächsten. Es gibt keine Haltestellen also winkt man einfach dem Van, wenn er vorbeifährt und sagt dem Fahrer sobald man aussteigen will. Man zahlt im Van immer 1000 LL!
  2. Service: Ein Service ist mehr oder weniger ein Taxi, das aber noch mehr Leute einsammelt. Man sagt also auch hier dem Fahrer sein Ziel und entweder er fährt ungefähr in die Richtung und nimmt einen mit oder man versucht es beim nächsten. Für die meisten Strecken zahlt man im Service 2000 LL, aber für längere Strecken oder nachts zahlt man 4000 LL.

Zum Thema Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln: im Service oder Taxi sollte man sich wenn möglich immer nach hinten setzen. Falls irgendetwas in Richtung sexueller Belästigung vorfällt sollte man in jedem Fall resolut reagieren und eine „Szene“ machen, es ist fast immer jemand in der Nähe der eingreifen kann.

Wohnen

Viele junge Leute wohnen im Libanon sehr lange bei ihren Eltern, meistens bis sie heiraten. Daher sind WG’s unter Einheimischen nicht so verbreitet wie unter den hier lebenden Ausländern. Wenn man ein Zimmer sucht dann wird man häufig mit Leuten des gleichen Geschlechts zusammen wohnen, weil es hauptsächlich Frauen- und Männerwohnheime getrennt gibt. Das hauptsächliche Problem sind die unglaublich hohen Mieten, daher kann man meistens nur ein Bett mieten, sodass man das Zimmer dann mit anderen teilt.

Wichtig zu wissen ist, dass man erstens Wasser aus der Leitung auf keinen Fall trinken kann und auch nicht unbedingt zum Kochen benutzen sollte und das zweitens der Strom oft mehrmals am Tag ausgeschaltet wird und daher die meisten einen Generator führ ihre Wohnung haben. Wer nicht genug Geld hat ist daher manchmal einfach eine Weile ohne Strom.

Geld

Der Libanon ist ein teures Land und Beirut eine sehr teure Stadt! Man muss sich wirklich sehr bemühen mit seinem Geld hinzukommen – nur das Taschengeld vom EFD Etat reicht ganz sicher nicht aus. Als Währung wird hier hauptsächlich Libanesische Lire für den Alltagsgebrauch und US Dollar für größere Summen wie Bezahlung oder Miete genutzt. Um im Alltag schneller umrechnen zu können ziehe ich immer die drei Nullen ab und teile dann durch 2 – eigentlich ist der Kurs aber wie folgt:

1000 لل =

0,60 €

Religion

Was Religion angeht ist der Libanon sehr divers, was natürlich etliche Spannungen mit sich bringt. Es gibt 18 verschiedene Glaubensrichtungen, darunter viele Schiiten, Sunniten und Christen. Je nach dem in welcher Region man sich befindet ist die Verteilung sehr unterschiedlich – das gilt auch für die einzelnen Stadteile in Beirut. Obwohl die religiöse Zugehörigkeit hier einiges bestimmt, gehen die Menschen unterschiedlich mit der Auslebung ihres Glaubens um, was zum Beispiel heißt, dass bei Weitem nicht alle muslimischen Frauen den Hijab (das Kopftuch) tragen oder in Ramadan fasten. Besonders Beirut ist wohl der beste Ort in der Region um Ramadan zu verbringen wenn man nicht fastet, da das Leben sich tagsüber kaum ändert und nachts einfach noch mehr gefeiert wird als sonst!

Kleidung

Für ein ganzes Jahr hier braucht man eigentlich die gleiche Kleidung wie in Deutschland auch, da es im Winter auch hier relativ kalt wird. Im Sommer ist im Libanon natürlich wesentlich wärmer, daher kann man auf jeden Fall mehr leichte Kleidung einpacken. Kurze Hosen sind hier eigentlich weder für Männer noch für Frauen ein Problem und man sieht wirklich einige Mädels in sehr kurzen Hosen, in einigen Regionen fühlt man sich mit nackten Beinen aber vielleicht doch nicht ganz so wohl. Von daher: kurze Hosen und knappe Tops mitnehmen und dann schauen, wie man sich damit so fühlt! Und ganz wichtig: Wanderschuhe nicht vergessen!

Sex(ualität)

Im Libanon gibt es rein rechtlich einige Restriktionen was Sex betrifft: vor der Ehe ist Sex nicht gestattet und Homosexualität ist verboten. Natürlich haben junge Leute trotzdem Sex (wenn es auch dadurch etwas erschwert wird, dass die meisten bei ihren Eltern wohnen) und natürlich leben auch viele Schwule, Lesben und andere LGBTQ+ Personen hier. In den ländlichen Regionen hat man es damit sehr viel schwerer als in Beirut, wo „homosexuelles Verhalten“ auf der Straße zwar nicht erlaubt ist, man aber LGBTQ+-freundliche Bars und Clubs findet.

Ein paar grundlegende Tipps für die Vorbereitung

  1. Informiere dich über die politische Situation, insbesondere über die Beziehung zum Staat Israel! Nichts ist peinlicher als die Region als „Israel“ zu bezeichnen, wenn man eigentlich „Palästina“ meint – darauf reagiert man hier verständlicher Weise sehr empfindlich.
  2. Ein wenig über die jüngste Geschichte des Landes und insbesondere Beiruts zu wissen schadet auf keinen Fall. Kriegerische Auseinandersetzungen sind für alle Menschen hier noch sehr präsent und haben großen Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse.