Il Rifugio é amore – Die Zuflucht ist die Liebe

10 Monate Freiwilligendienst, 10 Monate Pizza, Pasta und „la dolce vita“, 10 Monate Italien – die liegen jetzt fast hinter mir. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich im Oktober 2016 meine Koffer packte, voller Erwartungen und doch total ahnungslos, was alles auf mich zukommen würde.

Und jetzt bin ich hier, am Ende meines EFDs (europäischer Freiwilligendienst), habe viel gelernt, viele interessante Menschen kennengelernt und kann es noch gar nicht fassen, in weniger als zwei Wochen schon wieder zu Hause zu sein und das alles hier hinter mir zu lassen.

Ich bin Jocelyn, 20 Jahre alt und lebe und arbeite nun seit knapp 10 Monaten im „Rifugio Re Carlo Alberto“, einem Altenheim spezialisiert auf Alzheimer und andere Arten von Demenz, in einem kleinem Dorf in den Bergen Piemonts. Meine täglichen Aufgaben bestehen darin, während der Mahlzeiten die Pfleger beim Füttern der Bewohner zu unterstützen, aber hauptsächlich bin ich Teil des Animationsteams. Es gibt verschiedene Aktivitäten, die wöchentlich durchgeführt werden und zu denen wir die Bewohner begleiten, wie die Messe, einen Gottesdienst, Musiktherapie, Gymnastik oder Gartenarbeit. Für die restliche Zeit planen wir jede Woche verschiedene Dinge wie kochen, nähen, spazieren gehen, Ausflüge in die nähere Umgebung oder der monatlichen Geburtstagsfeier, wo immer viel getanzt wird.

Ich lebe hier gemeinsam mit anderen 5 Freiwilligen aus verschiedenen Ländern, die mir in den letzten Monaten sehr ans Herz gewachsen sind. Wir unternehmen die meisten Dinge zusammen, machen verschiedene Ausflüge oder gehen am Wochenende irgendwo gemeinsam eine Pizza essen und ein Bier zu trinken. Aber vor allem können wir uns über die schönen, aber auch die schwierigen Momente auf der Arbeit austauschen und kennen uns gegenseitig so gut, dass es uns mittlerweile leicht fällt, uns bei der gemeinsamen Arbeit zu unterstützen. In unseren wöchentlichen Besprechungen mit unserer Mentorin können wir sowohl private Themen und Gefühle ansprechen, planen aber auch die Aktivitäten der nächsten Woche und können so unsere eigenen Ideen und Wünsche einbringen.

Der Grund für unsere Arbeit, unseren Freiwilligendienst, ist es, den Menschen hier Freude zu bereiten und sie etwas glücklicher zu machen. Es sind oft die kleinen Dinge, die sie am glücklichsten machen, wie eine Umarmung, ein Gespräch, gemeinsam tanzen, ihnen zu zeigen, dass sie zu Dingen, für die sich selbst nicht mehr für fähig hielten, durchaus noch in der Lage sind. Und die Zuneigung, die wir ihnen zeigen, wenn wir Zeit mit ihnen verbringen, kriegen wir doppelt zurück.

„Il Rifugio é amore“- Das Rifugio ist Liebe, ist das, was meine Zeit hier am besten zusammenfasst. Ob es die Freundschaft zwischen uns Freiwilligen ist oder aber das Lächeln der Bewohner wenn sie uns sehen, im Rifugio geht es darum, das Leben aller etwas fröhlicher zu machen- und das funktioniert mit viel Geduld und Liebe.

Vor 10 Monaten hätte ich mir nicht im Geringsten vorstellen können, wie sehr mir die Menschen hier ans Herz wachsen würden und wie sehr auch die aller kleinste Geste zählen kann. Und genau das ist es, was mich an meiner Zeit in Italien am meisten beeindruckt hat.

 


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