Saunakultur in Finnland

Ich kann mich noch ziemlich genau an die Reaktion meiner Familie erinnern, als ich ihnen eröffnet habe, dass ich ein Jahr nach Finnland gehen werde. Das erste, was meine Eltern sagten, war: “Aber du weißt schon, wenn du in Finnland wohnst, dann musst du auch in die Sauna gehen.”

ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst, EFD, Erasmus+, Finnland, ChristianeSelbst wenn man nicht viel über Finnland weiß, dann hat man doch schon von der finnischen Saunakultur gehört. Meine Eltern, selbst große Fans, haben mich in Deutschland oft in die Sauna mitgenommen, allerdings war ich nie wirklich begeistert. Es galt immer als eine Aktivität für alte Leute und für mich als Kind war die Aussicht darauf, für längere Zeit still und leise in einem heißen Raum zu sitzen, nicht gerade attraktiv. Hätte mir jemand gesagt, dass sich meine Sichtweise auf diese finnische Tradition während meines EFD ändern würde, hätte ich ihm nicht geglaubt.

Das Klischee stimmt also: Finnen LIEBEN ihre Sauna. Auf Finnlands ca. 5,4 Mio Einwohner kommen 2 bis 3 Millionen private und öffentliche Saunas in Schwimmhallen, Sommer Cottages, Fitnessstudios, Hotels und sogar im Bus oder auf dem Riesenrad. Tatsächlich kann man sie in fast jedem Wohnhaus finden. Es gab sogar Weltmeisterschaften darin, wer es länger in der Hitze aushält, welche jedoch beendet wurden nachdem ein Russe im Finale gegen einen Finnen ums Leben kam.

Sompasauna

ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst, EFD, Erasmus+, Finnland, ChristianeMeine Lieblingssauna in Helsinki heißt “Sompasauna” und liegt direkt an der Ostsee in einem Stadtteil namens “Kalasatama” (was so viel wie “Fischhafen” bedeutet). Sompasauna besteht aus drei Bauwagen großen Häuschen, die eine große und zwei kleine Saunas beherbergen und eine Feuerstelle. Hier treffen sich Finnen und Touristen, man geht nackt oder mit Badesachen (die meisten Touristen entscheiden sich für Badesachen), man unterhält sich und sitzt zusammen in der Sonne. Manchmal hat jemand eine Gitarre dabei oder jemand teilt seine Grillwürstchen oder sein Bier mit Dir. Wenn man als Ausländer nach Finnland kommt, stellt man anfangs schnell fest, dass die Finnen eher ungesprächig sind, manchmal sogar abweisend wirken und keine Freunde von überschwänglichen Umarmungen oder Wangenküsschen sind. Allerdings gibt es zwei Situationen in denen dieses Verhalten nicht gilt. Die eine ist, wenn man sich betrunken in einer Bar befindet (meist einer Karaokebar, darauf stehen die Finnen unheimlich) oder – Ihr ahnt es sicher schon – in der Sauna.

Die meisten Gespräche mit Einheimischen habe ich tatsächlich in Sompasauna geführt, während ich verschwitzt eingequetscht zwischen anderen Saunagängern saß. Man redet über das Wetter (finnisches Wetter ist ein unendliches Thema!! später mehr dazu) und ähnlichen Smalltalk, aber auch viel über finnische Kultur und wie sich die Finnen selbst sehen. So hörte ich viele Geschichten, probierte aber auch einiges selbst aus.

Saunalied

Erst vor zwei Wochen habe ich das offizielle Saunalied “Löylyä lissää” gelernt (was übersetzt soviel heißt wie “mehr Wasser auf die heißen Steine”, wodurch die Sauna stärker angeheizt wird). Den Text kann ich bis jetzt noch nicht und versuche nur an den richtigen Stellen “Löylyä lissää” zu rufen. Das ist gar nicht so einfach, da es erstens schwer auszusprechen ist und ich zweitens eigentlich nicht will, dass es durch mein Rufen noch heißer wird.

ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst, EFD, Erasmus+, Finnland, ChristianeLetzte Woche habe ich mich mit einem Mann unterhalten, der mir von einer weiteren Tradition erzählte, die in seiner Familie immer vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde. Sein Vater wusste, wie man sich den Strauß aus Birkenzweigen selbst bindet, mit dem sich die Finnen beim Schwitzen selbst schlagen (je nach Vorliebe kann man sich natürlich auch gegenseitig schlagen). Er ließ es sich nicht nehmen, mir so einen Blumenstrauß aus Birkenzweigen herzustellen, damit ich und meine französische Freundin diese finnische Tradition ausprobieren konnten. Natürlich haben wir voller Begeisterung mitgemacht und wurden nicht enttäuscht. Der wundervolle Geruch nach nassen Birkenzweigen und das prickelnde Gefühl auf meiner Haut sind mir noch immer gut im Gedächtnis.

Auf jeden Fall weiß ich jetzt wie viel Spaß es macht, neue Kulturen kennenzulernen und dass es mindestens genauso viel Spaß macht, die eigene Kultur zu teilen und zu sehen, wie begeistert sie angenommen wird.


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